Ärzte Zeitung, 01.10.2011

Dokumentation, Abrechnung, Formulare: Bürokratie belastet

16 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Hausärzte mit Verwaltung - Dokumentation, Abrechnung und gesetzlich vorgeschriebene Patienteninformation. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Von Christian Benecker

Dokumentation, Abrechnung, Formulare: Bürokratie belastet

Zuviel Zeit für Bürokratie statt für Patienten.

© Wodicka / panthermedia.net

BAD PYRMONT. Rund anderthalb Stunden am Tag sind Hausärzte ausschließlich mit der Bürokratie in ihrer Praxis beschäftigt, genauer gesagt 94,02 Minuten, dass sind bei 50 Wochenstunden fast 16 Prozent der Zeit. Das hat eine Studie aus Bad Pyrmont nach einer Befragung von 41 Hausärzten in der Region ermittelt.

Rund die Hälfte der Zeit entfällt auf Verwaltungstätigkeiten, die "auf Grundlage gesetzlicher Regelungen vorgenommen werden müssen", heißt es in dem Bericht. Erstaunlich: Dazu gehören in der Studie auch gesetzliche Informationspflichten, also das Patientengespräch etwa beim Erstkontakt mit einem DMP-Patienten, bestätigte der Neurologe und Mitautor der Studie Dr. Hartwig Grass der "Ärzte Zeitung".

Sie machen rund ein Drittel (34,6 Minuten) der Gesamtzeit für Verwaltung aus. Damit verbringt der Hausarzt durchschnittlich 15,67 Prozent seiner Arbeitszeit über Formulare gebeugt mit Dokumentation, Verwaltung und Abrechnung - und mit gesetzlich vorgeschriebener Patienteninformation.

Laut Studie sinkt der Aufwand weder mit der Berufserfahrung noch mit der Anzahl der Medizinischen Fachangestellten in der Praxis. Dafür nimmt der Aufwand zu, je mehr Patienten täglich versorgt werden.

Noch härter trifft es die MFA. Bei einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden setzen sie 235,1 Minuten für Verwaltung an. Das sind fast vier Stunden am Tag, also die Hälfte ihrer Arbeitszeit. Hier macht die gewöhnliche Bürotätigkeit den Löwenanteil aus, gefolgt von den Tätigkeiten zur Erfüllung von Informationspflichten, genau 58,29 Minuten.

Gründe für die große Belastung durch Praxisbürokratie vermuten die Autoren in der Einführung der Disease Management Programme, der Praxisgebühr und besonderer Versorgungsformen. Für die Patienten bedeute die Belastung ihres Arztes weniger Zeit von ihrem Arzt und für die Ärzte eine sinkende Berufszufriedenheit.

Abhilfe könnten reduzierte Patientenzahlen bringen - vorausgesetzt, "dass Ärzten für sinkende Fallzahlen keine ökonomischen Nachteile entstünden", heißt es in dem Forschungsbericht.

Um die Last der Verwaltungstätigkeiten bei den Niedergelassenen zu erleichtern, greifen die Autoren auf die Mittel der Klinikkollegen zurück: Ein Äquivalent zur "Klinikassistenz" in den Krankenhäusern, die sich auch in der Praxis als Fachkraft für Verwaltungstätigkeiten anbietet.

Darüber hinaus regen die Autoren an, die Dokumentationssysteme in den Praxen der niedergelassenen Ärzte auf den neuesten Stand zu bringen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »