Ärzte Zeitung online, 31.10.2011

Unfallversicherung stellt auf KV-SafeNet um

Durchgangsärzte, die Unfallpatienten behandeln, müssen ab Januar 2012 ihre Abrechnung mit der gesetzlichen Unfallversicherung über das KV-SafeNet abwickeln. Die Einwahl über ISDN ist dann nicht mehr möglich.

Unfallversicherung stellt auf KV-SafeNet um

KV-SafeNet gewinnt für die Online-Kommunikation im Gesundheitswesen immer mehr an Bedeutung.

© Dieter Brockmann / fotolia.com

BERLIN (ger). Durchgangsärzte (D-Ärzte), die Unfallpatienten in ihrer Praxis oder im Krankenhaus behandeln und ihre Leistungen über DALE-UV abrechnen, müssen ab Januar 2012 über das KV-SafeNet der KBV gehen.

Sie brauchen also einen KV-SafeNet-Zugang. DALE-UV steht für den elektronischen Datenaustausch mit den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern.

H-Ärzte offenbar nicht betroffen

Die H-Ärzte (Heilbehandlungsärzte), die ebenfalls häufiger Leistungen für die Unfallversicherungsträger erbringen, sind entgegen früherer Meldungen nach Information der "Ärzte Zeitung" nicht betroffen. Das H-Arzt-Verfahren soll bis zum Jahr 2015 ohnehin auslaufen.

H-Ärzte müssten sich in dieser Zeit entscheiden, ob sie D-Ärzte werden oder ob sie aus dem Verfahren ausscheiden. In der Übergangszeit können sie nach Auskunft der KBV ihre Daten auch weiterhin über ISDN an die Unfallversicherung schicken.

"Das vereinfacht das Abrechnungsverfahren"

KV-SafeNet gewinne mit der Übernahme in den Bereich der Unfallversicherung für die Online-Kommunikation im Gesundheitswesen immer mehr an Bedeutung, schreibt die KBV in einer Mitteilung.

"Mit KV-SafeNet können die Daten problemlos und vor allem viel schneller als bisher übertragen werden. Dies vereinfacht das Abrechnungsverfahren", betonte der KBV-Vorstand, Dr. Carl-Heinz Müller, laut Mitteilung.

20.000 Praxen haben KV-SafeNet-Anschluss

Das von KBV und den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) entwickelte KV-SafeNet ermöglicht es Ärzten, medizinische Daten elektronisch weiterzuleiten und vom Praxisrechner aus weitere Online-Angebote sicher zu nutzen. Knapp 20.000 Praxen verfügen laut KBV bereits über einen KV-SafeNet-Anschluss.

Die Umstellung auf das webbasierte Verfahren wird aufgrund der zunehmenden Datenmengen insbesondere aus den Krankenhäusern und größeren Praxen vorgenommen. Über ISDN dauert die Datenübertragung länger als mit modernen Internet-Anschlüssen.

Ab 2012 elektronische Übermittlung der Abrechnung nur noch über KV-SafeNet

Bereits vor einem Jahr haben die KV Nordrhein als D2D-Servicebetreiber und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) daher vereinbart, dass ab 2012 zur elektronischen Übermittlung der Abrechnung nur noch KV-SafeNet möglich sein soll.

D2D (Doctor to Doctor) ist ein Dienst zur Nutzung von Online-Anwendungen, den die Kassenärztlichen Vereinigungen vor über zehn Jahren eingeführt haben.

Datenaustausch auf geschütztem Weg möglich

Um auch den Krankenhäusern die Nutzung des elektronischen Abrechnungsverfahrens mit den Unfallkrankenkassen über KV-SafeNet zu ermöglichen, sei die KV-SafeNet-Richtlinie ergänzt worden.

Damit sei auch der Austausch von Daten zwischen niedergelassenen Ärzten und ihren Kollegen aus dem stationären Bereich auf geschütztem Weg möglich, heißt es in der Mitteilung.

Regelmäßige Überprüfung

Im Zuge dieser Richtlinienänderung habe die KBV erneut Maßnahmen ergriffen, um den hohen Sicherheitsstandard von KV-SafeNet dauerhaft zu gewährleisten und fortzuentwickeln.

Unternehmen, die bereits als Provider zertifiziert sind, müssten künftig regelmäßig einen externen Sicherheits-Check durchlaufen. Die Überprüfung erfolge zusätzlich zur Zertifizierung durch die KBV, die alle drei Jahre neu vorzunehmen ist.

"Die rasante Entwicklung in der IT erfordert es, dass Sicherheitsmaßnahmen permanent überprüft und weiterentwickelt werden. Dies ist auch ein Service für den Arzt, der sich darum nicht kümmern muss", betonte Müller.

KV-SafeNet

KV-SafeNet ist Teil einer Infrastruktur, die KBV und KVen für den elektronischen Austausch vertraulicher Daten aufgebaut haben. Das Netz soll höchste Sicherheit für die Nutzung von Online-Anwendungen garantieren und gleichzeitig das EDV-System der Praxis vor unerlaubten Zugriffen aus dem Internet schützen.

Es ersetzt allerdings nicht den Einsatz einer Firewall und eines Virenscanners in der Praxis-EDV. Für die Online-Kommunikation über KV-SafeNet brauchen Ärzte einen speziellen Router. Für die Verbindung wird dann im Internet ein sogenanntes virtuelles privates Netz (VPN) aufgebaut. Dadurch wird verhindert, dass Unbefugte auf die Daten zugreifen können.

Über KV-SafeNet können Ärzte direkt vom Praxisrechner aus ihre Abrechnung an ihre KV senden oder Patientendaten elektronisch dokumentieren. Landesdatenschützer hätten KV-SafeNet als sichersten Weg der Online-Kommunikation für Ärzte bestätigt, verlautet von der KBV.

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