Ärzte Zeitung, 19.12.2011

Vielerorts unterbezahlte MFA

Gerade in ländlichen Regionen werden viele Medizinische Fachangestellte laut ihrem Berufsverband nicht gut bezahlt. Mit einer neuen Tarifstruktur will der Verband dies ändern. Denn zu Silvester endet der aktuelle Vertrag - die Verhandlungen laufen bereits.

Vielerorts unterbezahlte MFA

Mehr Gehalt? Geht`s nach dem Berufsverband der MFA, ist 2012 mehr als ein Miniplus drin.

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NEU-ISENBURG (reh). Die kürzlich vom Internet-Portalbetreiber Personal Markt Services GmbH veröffentlichte Gehaltsstudie zu Medizinischen Fachangestellten (MFA) stößt beim Verband der Medizinischen Fachberufe (VmF) nicht auf Begeisterung.

Denn dort wird das Spitzengehalt von 27.170 Euro für eine erfahrene MFA in Hamburg eben nicht als solches angesehen.

Der Grund: Wirklich erfahrene MFA mit langen Berufsjahren und großem Aufgabenspektrum hätten mehr verdient.

Viele MFA kämen über Tätigkeitsgruppen I und II nicht hinaus

So stehen MFA laut Gehaltstarifvertrag etwa in der Tätigkeitsgruppe IV ab dem 11. Berufsjahr 28.171 Euro jährlich zu, vom siebten bis zehnten Berufsjahr 26.611 Euro.

Aber genau das ist laut Magret Urban, Ressortleiterin Tarifpolitik beim VmF, das Problem: Viele MFA kämen über die Tätigkeitsgruppen I und II bei der Bezahlung gar nicht erst hinaus.

Und das, obwohl sie eigentlich die dafür nötigen Aufgaben in der Praxis längst übernehmen würden. Und in der Tätigkeitsgruppe I sieht der Tarifvertrag eben nur ein Jahresgehalt von 20.735 Euro zwischen dem vierten und sechsten Berufsjahr vor.

Bezahlung unter Tarif - in den neuen Bundesländer und auf dem Land

Was Urban allerdings bestätigen kann: Der Trend in den neuen Bundesländern eher unter Tarif oder gerade einmal auf Niveau des Tarifs zu zahlen. Das habe auch die Gehaltsumfrage des VmF gezeigt.

Dabei müssten die MFA nicht selten in ländlichen Regionen auch mehr Stunden, als die tariflich festgeschriebenen 38,5 Stunden, in den Praxen leisten. Urban: "Wir kennen im Verband Fälle, wo einer MFA ein Monatsgehalt von nur 900 Euro gezahlt wurde."

Auch das im Tarif festgeschriebene 13. Monatsgehalt würden einige Praxischefs nicht zahlen. "Manchmal wird ein Weihnachtsgeld gezahlt", so Urban, "aber nicht in Höhe eines vollen Gehaltes." Da überrascht es nicht, dass es in den neuen Ländern laut Urban zum Teil schwierig ist, Stellen in den Praxen nachzubesetzen.

Aber nicht nur in den neuen Bundesländern, auch in Regionen, die in der Gehaltsstudie die ersten Ränge bei der Bezahlung füllten, kennt der Verband genug Beispiele, wo unter Tarif vergütet wird. "Gehälter unter Tarif finden wir auch in Bayern und in Nordrhein-Westfalen", berichtet Urban, "zwar nicht in den Städten, aber auf dem Land".

Mindestens ein Stundenlohn von zehn Euro, fordert der VmF

Zur Erinnerung: In Bayern verdienten MFA - egal ob Berufsanfänger oder erfahrene Kraft - laut der Studie der PersonalMarkt Services GmbH neben Hamburg und Hessen am besten.

Für Urban steht fest: Um davon leben zu können, brauchen MFA ein Gehalt mit einem Mindeststundenlohn von zehn Euro. Mit dieser Mindest-Forderung für die Einstiegsgehälter ist der VmF vergangene Woche in die neuen Tarifverhandlungen eingestiegen.

Aber: "Wir schließen nicht um jeden Preis ab und nicht für mickrige ein bis zwei Prozent", sagt Urban sehr deutlich. Worauf der VmF auch hinarbeitet: Die Tätigkeitsgruppen sollen erweitert werden. Dafür solle es weniger Berufsjahr-Gruppen geben.

Allerdings dürfe die neue Tarifstruktur MFA, die bereits lange im Beruf stehen, nicht benachteiligen, so Urban.

Das Ziel des Verbands ist, noch im Januar einen neuen Tarifabschluss zu erlangen.

Bei der Bezahlung gibt es laut Urban übrigens keine Hinweise darauf, dass eine Fachrichtung besonders gut oder besonders schlecht bezahlt.

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