Ärzte Zeitung, 08.03.2012

Flexiblen Praxis-Arbeitszeiten: Alle profitieren

Von flexiblen Praxis-Arbeitszeiten profitieren Personal und Familie

Eine moderne IT-Infrastruktur macht es möglich: Über spezielle Heimarbeitsplätze können Landarzt Dr. Christian Mayer aus Ostwestfalen und seine Mitarbeiterinnen Familie, Kinder und Beruf gut verbinden.

Von Anne-Christin Gröger

Von flexiblen Praxis-Arbeitszeiten profitieren Personal und Familie

Auch für den Sohn ist Platz im Back-Office der Praxis: MFA Heike Wallenstein-Averkamp bei der Arbeit.

© Katja Mayer

KÖLN. Eine Landarztpraxis führen und gleichzeitig ausreichend Zeit für Familie und Kinder haben - für den Allgemeinmediziner Dr. Christian Mayer ist das kein Widerspruch, sondern eine Frage der Organisation.

Deshalb nutzt er in seiner Praxis im ostwestfälischen Rietberg-Westerwiehe moderne IT-Infrastruktur, die es ihm und seinen Mitarbeiterinnen ermöglicht, ihre Arbeitszeit flexibel einzuteilen.

Das Konzept ist kürzlich von der Bertelsmann-Stiftung als "familienfreundlicher Betrieb" ausgezeichnet worden.

Größter Vorteil der dafür eigens eingerichteten speziellen Remote-Arbeitsplätze: Mayer und seine Mitarbeiterinnen können auch von zu Hause aus auf die Praxis-EDV zugreifen.

Mit Voice over IP-Telefonen sind sie auch außerhalb der Praxis mit deren Kommunikationsnetz verbunden. Bisher nutzen das System nur Mayer und seine Mitarbeiterin Heike Wallenstein-Averkamp.

Sie ist Mutter von zwei Kindern und könnte ohne den Heimarbeitsplatz keine Nachmittagsdienste machen. Eine weitere Medizinische Fachangestellte soll demnächst eingearbeitet werden.

Wallenstein-Averkamp nutzt den Heim-Arbeitsplatz vor allem für Abrechnungsarbeiten, um telefonisch Termine zu vereinbaren und um Dienstpläne zu organisieren. Mayer kann weniger eilige Dinge am frühen Morgen erledigen.

"Berichte lesen oder Laborwerte prüfen - so was mache ich nur noch von zu Hause aus", sagt er. Bei der Einrichtung des Netzwerks legte er viel Wert auf Datensicherheit. "Alle übertragenen Daten sind verschlüsselt", sagt er.

Nicht ganz kostenlos

Der 40-Jährige gewinnt dadurch viel Flexibilität. Zwei Nachmittage die Woche kann er sich so freischaufeln, um seine fünf-, drei- und einjährigen Kinder zu betreuen. Seine Frau arbeitet ebenfalls Vollzeit, sie übernimmt an zwei anderen Tagen. Vormittags ist der Nachwuchs im Kindergarten und bei einer Tagesmutter.

Das notwendige EDV-System lässt sich sehr einfach einrichten, sagt Mayer. Auch für wenig technikversierte Kollegen sei der Aufwand übersichtlich.

"Ich glaube, dass familienfreundliche Arbeitszeiten für Mediziner durchsetzbar sind", betont er. Allerdings musste der Hausarzt bei seiner Version auch einiges hinblättern. Etwa 1000 Euro kostet ein ausgelagerter Arbeitsplatz.

Neben den beiden Heimarbeitsplätzen befinden sich noch fünf weitere normale Rechner in der Praxis. Im separaten Back-Office erledigt eine Mitarbeiterin Verwaltungsaufgaben und hält den anderen damit den Rücken frei für die Arbeit mit den Patienten.

"Hier können sich auch Kinder aufhalten, etwa wenn etwas mit der Betreuung nicht klappt", sagt Mayer. Weitere Rechner stehen am Empfang und im Labor.

Seine familienfreundliche Praxis fordert Mayer neben dem technischen Know How auch Vertrauen in seine fünf Medizinischen Fachangestellten ab.

"Klar kann ich nicht kontrollieren, ob die Kollegin zu Hause auch wirklich arbeitet, aber es funktioniert", sagt er. "Ich habe mit der Vertrauensarbeitszeit sehr gute Erfahrungen gemacht."

Auch die Sprechzeiten hat der Allgemeinmediziner familienfreundlich festgelegt. Dienstags ist die Praxis nur zwischen 15 und 16 Uhr geöffnet, dafür hängt er donnerstags einige Stunden bis 20 Uhr dran.

Auch samstags können Patienten Termine vereinbaren. Im Notfall greift er auf Kollegen in der näheren Umgebung zurück, die ihn vertreten. "Die Patienten verstehen das, wir hatten bisher nie Probleme mit dem System", sagt er.

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