Ärzte Zeitung, 21.08.2012

Gemeinschaftspraxis in Aachen

Drei Teamspieler - eine Herzensangelegenheit

Mit der Gründung ihrer Gemeinschaftspraxis haben drei Kardiologen in Aachen eine Versorgungslücke geschlossen. Der Weg aus den Einzelpraxen heraus war für die betroffenen Teams jedoch alles andere als ein Kinderspiel.

Von Katrin Berkenkopf

Die gleiche Wellenlänge sorgt für Praxiserfolg

Dr. Norbert Gerich-Düsseldorf, Dr. Martin Klutmann und Dr. Bruno Rösch (von links) kooperieren seit 2009.

© Katrin Berkenkopf

AACHEN. Ein Bürogebäude im Zentrum von Aachen. Im 5. Stock empfängt die Besucher auf warmer roter Wand ein stilisiertes Herz mit einem Punkt - das Markenzeichen der kardiologischen Gemeinschaftspraxis von Dr. Norbert Gerich-Düsseldorf, Dr. Martin Klutmann und Dr. Bruno Rösch.

Die Eingangstür öffnet sich zu einem langen, hellen Empfangstresen. An prominenter Stelle steht das Zertifikat mit dem Ergebnis einer Umfrage zur Patientenzufriedenheit - Note 1,49.

Dr. Norbert Gerich-Düsseldorf und Dr. Bruno Rösch waren schon lange als niedergelassene Kardiologen in ihren Einzelpraxen in Aachen tätig, bevor sie sich dazu entschlossen, gemeinsam zu praktizieren.

Kardiologische Gemeinschaftspraxen gehören mittlerweile zum Standard. Nur in Aachen gab es noch keine.

Gemeinsame Arbeit ist unheimlich befruchtend

"Ich bin ein Teamplayer und finde die gemeinsame Arbeit unheimlich befruchtend", sagt Gerich-Düsseldorf. Zu den beiden stieß noch Dr. Martin Klutmann hinzu. Er war zuvor in Düren als Oberarzt am Krankenhaus tätig und erwarb dann einen fachärztlichen Internistensitz in seinem Heimatort Aachen.

Gleichzeitig blieb er mit maximal 13 Stunden am Krankenhaus angestellt. "Es war wichtig, dass wir einen invasiv tätigen Kollegen dazubekamen", sagt Rösch.

Klutmann fand es "unheimlich reizvoll, in beiden Sektoren arbeiten zu können." Auch, wenn sich nicht alle seine Erwartungen an das Leben als Niedergelassener erfüllten.

"Man denkt immer, man ist völlig selbstbestimmt, aber dem ist nicht so. Ich hatte gedacht, dass ich etwas freier sein werde."

Die Drei gründeten 2009 eine überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft, Klutmann war in allen drei beteiligten Praxen aktiv. "Das war klasse, weil ich so das gesamte Team kennenlernen und wir zusammenwachsen konnten."

Dann wollten sie auch unter ein Dach. Seit Juli 2011 ist das Realität. Gemeinsam können die Mediziner jetzt "das gesamte kardiologische Klientel abbilden", sagt Klutmann.

"Wir können mehr machen, ein größeres Leistungsspektrum anbieten. Schrittmacher- und Defibrillator-Kontrollen etwa lohnen sich für Einzelpraxen oft nicht."

Vor einer Zusammenarbeit müsse man abklären, ob man auch menschlich auf einer Wellenlänge liegt, meint Klutmann, "sonst funktioniert es nicht." Tatsächlich merkt man den Ärzten und Angestellten an, dass sie sich gut verstehen. "Es wird auch viel gelacht hier", sagt der Mediziner.

Die Stimmung unter den Angestellten ist entsprechend gut. Die Dienstpläne werden eingehalten, es gibt kaum Überstunden. Geteilte Dienste mit stundenlangen Mittagspausen gehören der Vergangenheit an.

Ein Praxis-Architekt konzipierte die Einrichtung

Professioneller Internetauftritt bringt Patienten

So wie das Herz-Logo als Markenzeichen ist dem Trio ein professioneller Internetauftritt wichtig. Viele, gerade jüngere neue Patienten, hätten so den Weg zu ihnen gefunden. Online-Terminvergabe lehnen sie aber ab. Das gebe Chaos, meint Klutmann. Schließlich bedürfe es erfahrener Mitarbeiterinnen, um bei der Schilderung des Patienten am Telefon abschätzen zu können, wie lange ein Termin in Anspruch nehmen wird, und ihn dann entsprechend einzuplanen. (kab)

Mitarbeiterin Sarah Laschet nennt die Geburt der Gemeinschaftspraxis "ein freudiges Ereignis". "Es ist sehr abwechslungsreich. Ich würde nicht wieder in einer kleinen Praxis arbeiten wollen."

Natürlich sei es eine Umstellung gewesen, nicht mehr nur für einen, sondern gleich für drei Ärzte zu arbeiten. "Ich hatte es mir komplizierter vorgestellt. Aber eigentlich sind wir das perfekte Team."

Ihre Kollegin Anni Rameckers gibt zu: "Wir hatten am Anfang alle Angst." Aus ihrem alten Team sei eine Mitarbeiterin deshalb nicht mitgegangen, sondern habe vorher gekündigt. "Es war eine aufregende Zeit und wir sind alle ganz stolz darauf, das von Anfang an zusammen aufgebaut zu haben."

Wohlfühlen sollen sich auch die Patienten. Gemeinsam mit dem renommierten Praxis-Architekten Norbert Thöne aus Hamm haben die Mediziner die neue Praxis geplant.

So bilden jeweils ein Sprechzimmer, der Ultraschallraum und der Ergoraum eine Einheit, in der sich Patienten ungestört bewegen können, ohne sich jedes Mal an- und umziehen zu müssen, um nicht halb nackt über Flure zu laufen.

Die Gemeinschaftspraxis bietet den Patienten außerdem längere Öffnungszeiten, als es die Einzelpraxen leisten konnten, und keine Schließzeiten wegen Urlaubs.

Eigene Telefonnummer für Privatsprechstunde

Für die Privatsprechstunde gibt es eine eigene Telefonnummer. Eine eigene Hotline haben die Kardiologen mittlerweile auch für zuweisende Praxen eingerichtet.

Zwischen den Kollegen sind die Zuständigkeiten klar aufgeteilt, Klutmann ist für das Personal verantwortlich, die beiden anderen für IT und Abrechnung. Aus dem neu zusammengeführten Team ist noch niemand abgesprungen. Das ist ungewöhnlich.

"Es gab schon Kooperationen, bei denen die Hälfte der Mitarbeiterinnen nach kurzer Zeit gekündigt hat, weil es ihnen einfach zu viel wurde", berichtet Praxis-Berater Heinz Welling von HCC Bettercare, der die Mediziner auf dem Weg zur Gemeinschaftspraxis unterstützte.

"Die Sinnhaftigkeit von Kooperationen zweifelt heute kaum noch ein Niedergelassener an. Aber sie muss entsprechend vorbereitet werden."

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