Ärzte Zeitung, 30.07.2013

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PKV-Pflegegutachter - Zubrot für Ärzte

Haus- und Fachärzte können sich als Pflegegutachter ein kleines Zubrot verdienen. Der private Pflegegutachter Medicproof setzt auf weitere Prüfer.

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PKV-Gutachter haben nun auch eine Fünf-Wochen-Frist.

© Christian Jung / Fotolia.com

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Der Dienstleister Medicproof, der für die privaten Krankenversicherer (PKV) Pflegegutachten erstellt, will sein Gutachternetz weiter ausbauen. Um dem steigenden Auftragsaufkommen zu begegnen und die Bearbeitungsfristen bei gleichbleibender Qualität möglich gering zu halten, sucht das Tochterunternehmen des PKV-Verbands Ärzte für die nebenberufliche freie Mitarbeit.

Zurzeit beschäftigt Medicproof rund 820 Ärzte und 80 Pflegekräfte als Gutachter, sagt Dr. Renate Richter, Leiterin der Abteilung Sozialmedizin, der "Ärzte Zeitung". "Rund 200 weitere werden wir noch benötigen." Der Bedarf ist dabei regional sehr unterschiedlich. Im Jahr 2012 hat Medicproof bereits 90 Ärzte neu in den Stamm freier Mitarbeiter aufgenommen, allerdings auch die Zusammenarbeit mit 48 beendet.

"Wir trennen uns von Gutachtern, wenn sie unser Leitbild nicht umsetzen", berichtet die Internistin und Sozialmedizinerin. Dabei komme dem Umgang mit den Pflegebedürftigen eine zentrale Bedeutung zu. "Wir schulen alle neuen Mitarbeiter."

Jeder dritte Gutachter ist Hausarzt

Voraussetzung für die Mitarbeit bei dem Kölner Unternehmen ist die Approbation. "Außerdem setzen wir eine gewisse praktische Erfahrung voraus", sagt Richter. Drei bis fünf Jahre sollten die Mediziner schon ärztlich tätig gewesen sein. Medicproof hat Interesse an Gutachtern aus allen Fachrichtungen.

Ende 2012 waren 29 Prozent der Ärzte Allgemeinmediziner, 19 Prozent Sozialmediziner, 17 Prozent Internisten und 13 Prozent Arbeitsmediziner.

Das Unternehmen hat zum 1. Januar 2013 die Gutachterhonorare und die Aufwandspauschalen erhöht. Für ein Erstgutachten bei Erwachsenen erhalten Ärzte jetzt netto ein Honorar von 145 Euro, bei Kindern 205 Euro. Im Juni hat Medicproof damit begonnen, auch Pflegefachkräfte mit der Feststellung der Pflegebedürftigkeit zu beauftragen.

Auch künftig sollen die Leistungsvoraussetzungen der privaten Pflegepflichtversicherung überwiegend durch Ärzte festgestellt werden. Das Verhältnis von ärztlichen zu pflegerischen Gutachtern soll bei drei Viertel zu einem Viertel liegen, sagt Richter.

Novelliertes Gesetz schafft Bedarf

Ein Grund für die Erweiterung des Mitarbeiternetzes sind die mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz eingeführten Fristen für die Erstellung von Pflegegutachten. Die für die gesetzlichen Pflegekassen geltende Fünf-Wochen-Frist ist von den PKV-Unternehmen für die Pflegepflichtversicherung übernommen worden.

Wird der Zeitraum überschritten, kostet das Medicproof für jede Woche 70 Euro. Durch mehr Gutachter fällt es dem Unternehmen leichter, die Frist einzuhalten. 2012 betrug die durchschnittliche Bearbeitungszeit durch freiberufliche Gutachter 21 Tage.

Zur Beschleunigung der Verfahren strebt Medicproof die schrittweise Online-Anbindung aller Gutachter an. Dabei geht es um die Übermittlung der Gutachten mit einer qualifizierten elektronischen Signatur.

Voraussetzung auf Seiten der Ärzte ist ein internetfähiger Computer und "normale Anwenderkenntnisse", so Richter. Sie benötigen weder ein Lesegerät noch eine Chipkarte. "Die Ärzte brauchen keine zusätzliche Software, wir stellen alles, was notwendig ist", sagt sie.

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