Ärzte Zeitung, 02.05.2014
 

Ausgezeichnetes Konzept

Lübecker Ärztezentrum mit Mehrwert

"Wir sind immer da" - diesen Anspruch haben die Ärzte des Urologischen Zentrums Lübeck (UZL). Für ihr Konzept wurden sie kürzlich als "Aktive Männergesundheitspraxis 2014" ausgezeichnet.

Von Dirk Schnack

Lübecker Ärztezentrum mit Mehrwert

Dr. Christoph Durek, Dr. Peter Renner, Dr. Thomas Dann und Maher Babakerd (v.l.) gehören zum siebenköpfigen Team des Urologischen Zentrums Lübeck.

© Dirk Schnack

LÜBECK. Die starke Präsenz für ihre Patienten zeigt sich in Sprechstunden, die täglich von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends dauern. Aufrechterhalten können Praxen so etwas aber nur, wenn sie die Last auf mehrere Schultern verteilen.

Für das Urologische Zentrum Lübeck (UZL), das in der Form einer Berufsausübungsgemeinschaft von sechs Ärzten betrieben wird, kein Problem: Dr. Thomas Dann, Dr. Christoph Durek, Dr. Martin Frambach, Dr. Peter Renner, Dr. Stephan Thomas und Dorothea Wulfmeier-von der Lühe sorgen gemeinsam für den außergewöhnlichen Sprechstundenservice.

Als Partner in Praxisgemeinschaft verstärkt seit Anfang April der Urologe Maher Babakerd das Team, der dafür eine Einzelpraxis in der Lübecker Innenstadt aufgibt.

"Die Zeit der Einzelpraxis ist zu Ende", sagt sein Kollege Renner im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" über die Beweggründe, sich in einer so großen Einheit zusammenzuschließen.

Vor Babakerd trafen die anderen sechs Ärzte diese Entscheidung im Jahr 2011. Sie kannten sich bereits, kamen aus einer Einzelpraxis, einer Gemeinschaftspraxis und einer Praxisgemeinschaft.

Ärzte profitieren nicht nur bei Kosten

Renner nennt als Vorteile der Gemeinschaft die Vertretung im Krankheitsfall, die permanent einholbare Zweitmeinung, die Präsenz für Patienten und zuweisende Kollegen, aber auch die Kostenverteilung auf mehrere Schultern. "Wir haben eine bessere Kostenstruktur, weil wir Miete und Personal teilen", ergänzt Kollege Dann.

Die Auszeichnung "Aktive Männergesundheitspraxis 2014" der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) und des Unternehmens Apogepha erhielt die Praxis für das umfassende Leistungsangebot für ihre männlichen Patienten.

Die Gemeinschaftspraxis hält Angebote für die Wechseljahre des Mannes, ED-Beratung, Prävention, Sexualmedizin sowie Sport- und Ernährungsmedizin vor. Einige dieser Leistungen werden in einer Privatsprechstunde, die in einer externen Praxis abgehalten wird, angeboten.

Der große Ärztestamm ermöglicht es, dass auch die Privatpraxis immer mit einem Partner besetzt ist. Rund 20 Prozent der Leistungen im UZL werden privat bezahlt.

"Speziell die Beratung zu den Wechseljahren des Mannes ist sehr zeitintensiv und kann nicht nebenbei in der normalen Sprechstunde geleistet werden", sagt Renner. Insgesamt behandeln die Ärzte im UZL rund 4500 Kassenpatienten und zwischen 400 und 500 Privatpatienten pro Quartal.

Enge Verzahnung zur Klinik

Neben dem umfassenden Leistungskatalog war auch die enge Verzahnung zwischen ambulanten und stationären Leistungen ein Grund für die Auszeichnung. Praxissitz des UZL ist das Facharztzentrum Lübeck, das in direkter Verbindung zur angrenzenden Sana Klinik entstanden ist.

Die Praxisgründer nutzen die Nähe, indem sie zugleich die urologische Abteilung der Klinik leiten. Drei von ihnen fungieren dort als Chefärzte, vier als leitende Oberärzte. Dafür sind sie beim Klinikkonzern teilzeit-angestellt. Sie kommen auf rund 1200 operative Eingriffe im Jahr.

Ein weiterer Punkt, der die Jury überzeugte, ist die Teilnahme an der von der Deutschen Krebshilfe und den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten PREFERE-Studie.

Die "Präferenzbasierte randomisierte Studie zur Evaluation von vier Behandlungsmodalitäten bei Prostatakarzinom mit niedrigem und frühem intermediären Risiko" vergleicht die Ergebnisse gängiger Behandlungsverfahren. Rund zehn Prozent der bundesweit eingeschlossenen Patienten steuert das UZL bei, das damit größtes teilnehmendes Zentrum ist.

Behandlungszimmer stets gleich eingerichtet

Darüber hinaus entspricht das UZL auch optisch und von der Raumaufteilung her den Anforderungen an eine moderne Praxis. Die Behandlungszimmer sind stets gleich eingerichtet, so dass jeder Arzt den Raum wechseln kann, ohne sich an eine fremde Ausstattung gewöhnen zu müssen.

Die Patienten sitzen vor der Behandlung nicht in einem Wartezimmer, sondern in einem Leseraum.

Die Anmeldung lässt genügend Platz für Abstand und Diskretion, Telefonate werden statt am Tresen in einem abgetrennten Büro geführt. Das Honorar wird leistungsabhängig aufgeteilt. Praxispartner, die ausfallen, werden aber auch finanziell aufgefangen.

Unterm Strich, sagt Renner, hat sich der Schritt in die Gemeinschaft für die Partner gelohnt. Weitere Standorte plant die nach eigenen Angaben größte urologische Praxis in Schleswig-Holstein vorerst nicht.

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