Ärzte Zeitung, 08.02.2016

Terminservice

Im Saarland haben es viele Anrufer nicht eilig

131 Anrufer, 57 vermittelte Termine: Im Saarland hält sich der Andrang bei den Servicestellen in engen Grenzen. Die Mehrzahl der Anrufer ist über 65 Jahre und hat primär einen Informationsbedarf. Eine Online-Vermittlung sehen die KV-Vertreter skeptisch.

Von Andreas Kindel

Im Saarland haben es viele Anrufer nicht eilig

Im Schnitt 16 Anrufe pro Tag hat die Servicestelle im Saarland registriert.

©Eurobanks/Fotolia.com

SAARBRÜCKEN. Im Saarland ist der befürchtete Ansturm der Patienten auf die neue Terminservicestelle der KV bisher ausgeblieben. Die erste Bilanz der KV: Die Mehrheit der Anrufer will gar keine Termine, sondern Informationen.

Seit dem Start der neuen Terminservicestelle am 25. Januar haben bei der KV Saarland insgesamt 131 Patienten angerufen - im Schnitt 16 Anrufer pro Tag. "Die meisten Gespräche drehten sich um Informationsdefizite, nicht so sehr um Terminvermittlungen", berichtete der zuständige KV-Bereichsleiter Siegfried Stolz-Wagner der KV-Vertreterversammlung am Mittwoch in Saarbrücken.

Anrufer meistens über 65 Jahre alt

Die meisten Anrufer waren älter als 65 Jahre, vor allem Frauen. "Es waren aber auch viele Frauen dabei, die für ihre Männer angerufen hatten", erläuterte Stolz-Wagner. Insgesamt hat die neue Servicestelle bis zum 3. Februar 57 Facharzttermine vermittelt.

Gefragt waren vor allem Termine bei Rheumatologen, aber auch bei Neurologen, Kardiologen und Dermatologen. "In fast allen Fachgruppen kriegen wir das hin", sagte der saarländische KV-Chef Dr. Gunter Hauptmann zu den ersten Zahlen.

Nur bei den Rheumatologen werde man das mit vier Kollegen im Land nicht schaffen können. "Da werden wir irgendwann den Offenbarungseid leisten müssen", so der KV-Vorsitzende.

Zahlreiche Patienten suchen auch Termine, für die die neue Servicestelle gar nicht zuständig ist - nämlich bei Psychotherapeuten. "Die haben eine Überweisung mit Dringlichkeitsstufe 2 in den Händen", berichtete Bereichsleiter Stolz-Wagner. Trotzdem könne man nicht helfen.

Ein weiteres Problem: Auch Anrufer aus Rheinland-Pfalz melden sich bei der neuen Stelle in Saarbrücken. "Wer eine Überweisung von einem saarländischen Arzt hat, wird vermittelt", so Stolz-Wagner. Alle anderen werden an die zuständigen Stellen in Rheinland-Pfalz verwiesen.

Die Saarbrücker Augenärztin Beate Posenauer appellierte an die KV-Führung, gar nicht so viel Werbung für die neue Servicestelle zu machen. "Die KV sollte klar sagen: Wir haben die "dringliche Überweisung" und brauchen die neue Terminservicestelle eigentlich gar nicht", forderte Posenauer.

Denn schon seit 2010 können Haus- und Fachärzte an der Saar ihren Facharzt-Kollegen mit einem einfachen Formular mitteilen, dass sie für einen Patienten einen Termin besonders dringend brauchen. Bei diesen "dringlichen Überweisungen" liegt die Wartezeit nach KV-Erhebungen im Schnitt nur bei sechs Tagen. Trotzdem waren auch die Saarländer durch das neue Bundesgesetz gezwungen worden, eine Terminservicestelle zu schaffen.

Vertreter gegen Online-Vermittlung

Einmütig sprach sich die KV-Vertreterversammlung in Saarbrücken gegen die KBV-Pläne für eine Online-Vermittlung von Facharzt-Terminen aus. "Es sind überwiegend ältere Menschen, die sich bei unserer Terminservicestelle melden", erläuterte KV-Chef Hauptmann. "Die werden keinen Termin über die App abmachen".

Seine Befürchtung: Online kommen bei der Terminvergabe eher jüngere Patienten zum Zuge. Die Älteren hätten dann das Nachsehen.

Nach den ersten Erfahrungen im Saarland haben es aber auch gar nicht alle Patienten so besonders eilig mit dem Facharzttermin.

"Erstaunlich ist, dass eine zeitnahe Terminvermittlung gar nicht immer gewünscht war", berichtete KV-Bereichsleiter Stolz-Wagner. So habe ein Rheumatologe angesichts der Terminprobleme in seinem Fachgebiet angeboten, auch am Rosenmontag zu arbeiten. Eine Patientin habe das Terminangebot angenommen, vier hätten abgesagt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »