Ärzte Zeitung, 04.05.2016

Anstellung im Trend

Aber wann lohnt‘s?

Die Motive, Kollegen einzustellen, sind unterschiedlich. Wer den Schritt wagt, sollte sich ihrer bewusst sein.

NEU-ISENBURG. Die Anzahl der angestellten Ärzte in der ambulanten Versorgung ist seit zehn Jahren um das Zehnfache auf mehr als 27.000 gestiegen. Dabei wachsen die Zahlen in Praxen wie in MVZ. Die Weichen für die Anstellung eines Arztes in der Praxis wurden mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz aus dem Jahr 2007 gestellt. Es erlaubt Praxisinhabern die Anstellung von maximal drei vollzeitbeschäftigten Kollegen. Dafür muss der Praxisinhaber selbstverständlich zusätzliche Zulassungen erwerben.

Doch wann lohnt es sich für einen Vertragsarzt, einen Kollegen in Anstellung zu nehmen? "Das kommt auf die Motive des Praxisinhabers an, und die sind vielfältig: von der Schaffung persönlicher Freiräume und einer Arbeitsentlastung, über eine Expansion der Praxis und dadurch höhere Einnahmen bis hin zur Einleitung der Praxisabgabe", hat Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank), auf Anfrage erläutert.

Praxisstrategische Gründe: Ein angestellter Arzt generiert zusätzliche Einnahmen. Durch die Anstellung eines Kollegen kann der Inhaber das angebotene Leistungsspektrum um die Qualifikationen des Angestellten erweitern. Zusätzlich ist eine Verbesserung des Service für Patienten möglich, etwa durch Abend- oder Frühsprechstunden für Berufstätige. Auch in der Fläche kann die Praxis expandieren, etwa durch eine Zweigpraxis.

Entlastung des Praxisinhabers:Ein angestellter Arzt ermöglicht es dem Praxischef, bei Bedarf zeitweise oder auch dauerhaft, zum Beispiel aufgrund von familiären Verpflichtungen, die Tätigkeit in der Praxis zu reduzieren oder sich Freiräume für eine bessere Work-Life-Balance zu verschaffen.

Übergang in den Ruhestand: Die Anstellung eines Arztes kann auch ein strategisches Vorhaben in Richtung Ruhestand sein. Insbesondere im Hinblick auf die mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verbundenen Änderungen im Nachbesetzungsverfahren ist die Anstellung eines Arztes ein Grund dafür, dass ein eingeleitetes Nachbesetzungsverfahren seitens des Zulassungsausschusses nicht abgelehnt werden darf. Voraussetzung: Die Anstellung des Arztes besteht seit mindestens drei Jahren.

Um die Anstellung eines Arztes für den Inhaber zu einem Erfolg zu machen, sind auch Anreize für den Angestellten wichtig. So ist es oft hilfreich, einen Teil der Bezahlung erfolgsabhängig zu gestalten, etwa über umsatzabhängige Prämien. Heßbrügge: "Erfolgsabhängige Gehaltskomponenten können dann auch Anreize für den Angestellten schaffen, auf längere Sicht als Partner in die Praxis einzusteigen - und sich dann ganz für die Freiberuflichkeit zu entscheiden." (ger)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

„Wir müssen die Hamsterräder anhalten“

Es gibt in Deutschland ausreichend Ärzte, findet Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni in Frankfurt. Welche Kernprobleme er sieht und wie die Versorgung verbessert werden kann, verrät er im Interview mit der "Ärzte Zeitung". mehr »

Thermometer aus der Blase gezogen

Mitunter verschwinden Gegenstände versehentlich in der Blase, manche stecken sich bewusst Besenstiele oder Fische ins Organ. Urologen konnten nun ein Thermometer über die Harnröhre eines Mannes entfernen – ganz ohne Op. mehr »

Wichtige Impfungen für Mekka-Pilger

Weit über 10.000 Bundesbürger nehmen jedes Jahr an der Pilgerfahrt nach Mekka teil. Ärzte sollten bei diesen Patienten speziell auf den Impfschutz achten. mehr »