Ärzte Zeitung, 07.11.2016

Existenzgründung

Medizin wird weiblich – auch in Praxen

Noch sind Männer unter den ambulant tätigen Vertragsärzten in der Mehrzahl. Doch der Anteil der Frauen steigt kontinuierlich.

DÜSSELDORF. Die Rahmenbedingungen einer Existenzgründung für Ärzte ermöglichen es immer mehr Frauen, ihre eigene Praxis zu gründen. Zu diesem Schluss kommen die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und das Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung (Zi) in der Geschlechterauswertung ihrer diesjährigen Analyse zur Existenzgründung von Ärzten (wir berichteten).

Prominent in der Auswertung: der Anteil der Existenzgründerinnen unter den Ärzten. Auf mittlerweile 54,2 Prozent ist der Wert 2015 gestiegen. Es setzt sich damit ein Trend seit 2012 fort, als dieser erstmals die 50-Prozent-Marke überschritt, so die Analyse.

"Das Interesse der Ärztinnen an der Selbstständigkeit nimmt offensichtlich stetig zu", kommentierte Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank, den gestiegenen Wert. "Das hängt gewiss auch damit zusammen, dass die Möglichkeiten der Berufsausübung vielfältiger geworden sind und mehr Flexibilität und Gestaltungsspielraum mit sich bringen, beispielsweise für Praxiskonzepte, die Familienplanung beziehungsweise das Privatleben gut integrieren."

Weitere Ergebnisse der Auswertung des Gründungsverhaltens nach Geschlechtern: Ärztinnen

investieren grundsätzlich zurückhaltender, nämlich im Schnitt 107.000 Euro. Ihre männlichen Kollegen investieren dagegen durchschnittlich 129.700 Euro.

Sie wählen häufiger als ihre männlichen Kollegen die Großstadt (49,7 versus 43,8 Prozent).

Sie entscheiden sich öfter für eine Einzelpraxis (65,4 Prozent versus 52,2 Prozent).

Kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es hingegen beim Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Niederlassung: Bei Ärztinnen lag es 2015 mit 42,3 Jahren nur geringfügig über dem der männlichen Kollegen mit 42,2 Jahren.

Grundlage der Auswertung bilden 2500 von der apoBank ermöglichte Finanzierungen ärztlicher Existenzgründungen in den Jahren 2014 und 2015. Seit 1984 werden diese Existenzgründungen jedes Jahr erfasst und anonymisiert. Die Bank und das Zentralinstitut werten die Daten dann für die Existenzgründungsanalyse aus. (mmr)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »