Ärzte Zeitung, 19.12.2016
 

Zahnärzte

MVZ boomen

Die Zahl der in Einzel- oder Gemeinschaftspraxen tätigen Vertragszahnärzte in Deutschland ist rückläufig. Die Option der Anstellung wird dagegen für immer mehr Zahnmediziner attraktiv, wie aus dem Jahrbuch 2016 der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung hervorgeht.

Von Matthias Wallenfels

MVZ boomen

Zwei Drittel der Vertragszahnärzte arbeiten in Einzelpraxen.

© Stockbyte / Getty Images

BERLIN. Vertragszahnärzte sind weniger als niedergelassene Haus- und Fachärzte geneigt, Berufsausübungsgemeinschaften einzugehen. Wie das jüngst veröffentlichte Jahrbuch 2016 der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) offenbart, handelte es sich zum Stichtag 31.12.2014 bei den insgesamt zu verzeichnenden 43.659 Vertragszahnarztpraxen mit 35.527 in 81,4 Prozent der Fälle um Einzelpraxen. Der Wert zum Vorjahr blieb mit einem Zuwachs um 0,1 Prozentpunkte praktisch konstant.

Wie die Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum Vergleich zeigen, entfielen von den insgesamt 102.336 verzeichneten Vertragsarztpraxen mit 31.198 haus- und 32.315 fachärztlichen Einzelkämpfern in 62,1 Prozent der Fälle um Einzelpraxen. Von 8132 vertragszahnärztlichen Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) entfielen 2014 laut KZBV-Statistik insgesamt 86,6 Prozent auf Gemeinschaftspraxen mit zwei Inhabern – 0,2 Prozentpunkte mehr als 2013.

Zahl der Vertragszahnärzte rückläufig

Bezüglich der Zahl der an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmenden Zahnärzte liegen der KZBV bereits die Zahlen für 2015 vor. So waren im vergangenen Jahr 52.295 Vertragszahnärzte tätig – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent.

Dieser Rückgang stellt, wie die KZBV betont, aber keineswegs eine Verschlechterung der vertragszahnärztlichen Versorgung dar. Er müsse vielmehr vor dem Hintergrund des Inkrafttretens des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes (VÄndG) Anfang 2007 gesehen werden, das neue Möglichkeiten zur zahnärztlichen Berufsausübung geschaffen hatte. So seien Ende 2015 bereits 9695 angestellte Zahnärzte in Deutschland tätig gewesen.

"Wesentliche Gründe für den Anstieg der Zahl der angestellten Zahnärzte dürften sein, dass einerseits Vertragszahnärzte aus der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis gewechselt sind und andererseits Berufsanfänger in stärkerem Maße statt der Selbstständigkeit ein Angestelltenverhältnis bei Vertragszahnärzten gewählt haben", heißt es dazu im Jahrbuch.

Mit Blick auf die Gesamtversorgungssituation sei sogar eine Zunahme der an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmenden Zahnärzte festzustellen – und zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,7 Prozent auf 61.990 zum Jahresende 2015.

Impulse durch Flexibilisierung?

Einen rapiden Anstieg weist die KZBV bei den an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmenden Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und dort angestellten Zahnärzten aus. Gab es im zweiten Quartal 2014 bundesweit gerade einmal 24 und im zweiten Quartal 2015 erst 31 Vertragszahnarzt-MVZ, ist die Zahl zum Ende des zweiten Quartals 2016 binnen Jahresfrist um 358 Prozent auf 142 Einrichtungen angestiegen.

Die KZBV führt diese Entwicklung auf das am 23. Juli vergangenen Jahres in Kraft getretene GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) zurück.

"Mit dem GKV-VSG hat der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit in der vertragszahnärztlichen Versorgung weiter flexibilisiert", so die KZBV. Nun können auch fachgruppengleiche, statt wie bislang nur fachgruppenübergreifende MVZ von Vertragszahnärzten betrieben werden. Zudem könnten mit der Gesetzesänderung Kommunen selbst MVZ gründen und somit aktiv auf die regionale Versorgungssituation Einfluss nehmen.

Bei der Zahl der in MVZ angestellten Zahnärzte fiel der Zuwachs weniger exorbitant aus als bei der Gründung neuer MVZ. Waren im zweiten Quartal 2014 bundesweit noch 146 angestellte Zahnärzte in vertragszahnärztliche MVZ zu verzeichnen, stieg deren Zahl im zweiten Quartal 2015 schon auf 191. Ein Jahr später waren es 533 angestellte Zahnärzte – ein Zuwachs binnen Zweijahresfrist von immerhin noch 198 Prozent.

Pflege-Kooperationen im Trend

"Gute Nachrichten" verkündet KZBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Eßer mit Blick auf die Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen. "Bei einer Zahl von mittlerweile 2608 Kooperationsverträgen zwischen den rund 13.000 Pflegeeinrichtungen und Zahnärzten ergibt sich zum 31. Dezember 2015 ein Abdeckungsgrad von bundesweit mehr als 20 Prozent", verdeutlicht Eßer.

Der ansteigende Trend hin zu dieser Form der aufsuchenden Versorgung sei damit ungebrochen. "In fast jedem fünften Pflegeheim ist eine solche Kooperation damit schon verbindlich vereinbart worden", ergänzte Eßer anlässlich der Vorstellung des KZBV-Jahrbuchs 2016 in Berlin.

Zahl der Zahnarztbesuche gestiegen

Auch weitere Abrechnungsdaten der aufsuchenden Betreuung durch Zahnärzte verdeutlichten, dass die neuen Leistungen des Versorgungsstrukturgesetzes und des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes hohe Akzeptanz erfahren.

Die Angebote erreichten schwerpunktmäßig genau die Patienten, die im Konzept der Alters- und Behindertenzahnheilkunde der Zahnärzteschaft Zielgruppe der Bemühungen seien. Insgesamt ist die Anzahl der Zahnarztbesuche in der aufsuchenden Versorgung im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr laut KZBV noch einmal um 8,5 Prozent auf rund 854.300 Besuche gestiegen.

In einer vertragszahnärztlichen Praxis waren laut Jahrbuch der KZBV 2014 im Schnitt 5,66 Personen beschäftigt. Mit einem Anteil von 65,7 Prozent dominieren dabei die Zahnarzthelferinnen, gefolgt von sonstigem Personal mit 14 Prozent, Auszubildenden mit 10,2 Prozent, angestellten Zahnärzten und Assistenzzahnärzten mit 4,8 Prozent und Zahntechnikern mit 4,1 Prozent. Unentgeltlich beschäftigte Familienangehörige machten einen Anteil am Personal von im Schnitt 1,2 Prozent aus.

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