Ärzte Zeitung, 31.05.2017

Null Pharmabindung

Correctiv startet Datenbank "Null-Euro-Ärzte"

Nach der vfa-Transparenzoffensive hat das Recherchenetzwerk Correctiv eine neue Datenbank eingerichtet: Hier können sich Ärzte eintragen, die keine Zuwendungen von Unternehmen erhalten.

Correctiv startet Datenbank "Null-Euro-Ärzte"

Wer keine Geldspritzen oder sonstige Zuwendungen aus der Wirtschaft erhalten hat, kann sich als "Null-Euro-Arzt" bei Correctiv eintragen lassen.

© Butch / Fotolia

BERLIN. 2016 veröffentlichten die im Branchenverband vfa verbundenen Pharmafirmen erstmals namentlich ihre Zahlungen an Ärzte und andere Fachkreis-Angehörige sowie an medizinische Einrichtungen – beispielsweise Reisekosten, Vortragshonorare oder Spenden. Nach Angaben des Recherchenetzwerks Correctiv haben 29 Prozent derjenigen Ärzte, die im Berichtszeitraum 2015 Zuwendungen von Herstellern erhielten, der Veröffentlichung zugestimmt.

Correctiv und Spiegel Online dokumentieren diese Zuwendungen in einer eigenen interaktiven Datenbank ("Euros für Ärzte"). Inzwischen, versichert Correctiv, hätten sich aber auch viele Ärzte gemeldet, die ebenfalls in der Datenbank aufgeführt werden wollten, allerdings "mit dem Eintrag ‚null Euro'. Weil sie Wert darauf legten, vor Kollegen und Patienten zu dokumentieren, kein Geld von den Konzernen anzunehmen".

Diesem Wunsch komme man nun mit dem Projekt "Null-Euro-Ärzte" nach. Diese Namen würden dann auch in das bereits bestehende Online-Verzeichnis eingepflegt, heißt es.

Online-Antrag wird vor Freischaltung überprüft

Ärzte, die sich als Nicht-Empfänger outen wollen, können das über einen Weblink beantragen. Anschließend erhalten sie ein Formular zur Authentifizierung, das sie ausgefüllt und unterschrieben zurückschicken müssen. Die Versicherung, kein Firmengeld erhalten zu haben, werde dann mit den Daten des vfa-nahen Selbstkontrollvereins FSA abgeglichen.

Erlaubt sei aber auch, nur in der aktuellen, vorjährigen Berichtsperiode als Nicht-Empfänger zu erscheinen, in einer früheren aber als Empfänger. Außerdem könnten Ärzte gegenüber Correctiv auch Angaben zur Teilnahme an Anwendungsbeobachtungen machen, respektive ihre Honorar-Abstinenz in diesem Kontext bekunden.

Das Projekt "Null-Euro-Ärzte" werde von Standesorganisationen wie den MEZIS ("Mein Essen zahl ich selbst") oder dem Verein demokratische Ärztinnen und Ärzte (VdÄÄ) unterstützt. In die am Montag freigeschaltete neue Datenbank hätten sich "bereits in den ersten Stunden mehr als hundert Ärzte eingetragen". (cw)

119 Millionen Euro

erhielten Ärzte 2015 von Firmen für Vortragstätigkeit oder Reisekosten zu Fortbildungszwecken. Weitere 366 Millionen Euro flossen an Ärzte, andere Fachkreisangehörige sowie Organisationen für klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Das sollten Ärzte dann tun

Haben Ärzte den Verdacht, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder gar missbraucht wird, sollten sie umgehend tätig werden. Wie sie vorgehen sollten, erläutert Oliver Berthold, Leiter der Kinderschutzambulanz in Berlin. mehr »