Ärzte Zeitung online, 15.08.2017
 

Statistik

Allgemeinärzte steigern Reinerträge in Praxen deutlich

Der Anteil der Kasseneinnahmen in Praxen hat von 2011 bis 2015 wieder zugenommen. Bei den Umsätzen gibt es moderate Steigerungen, beim Reinertrag schneiden insbesondere Allgemeinärzte bemerkenswert ab. Das zeigen aktuelle Zahlen.

Von Hauke Gerlof

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Auf einen Blick: So haben sich die Praxiseinnahmen entwickelt (links: 2007, Mitte: 2011, rechts: 2015).

© Ärzte Zeitung

WIESBADEN. Der Anteil der Kasseneinnahmen ist in den Jahren 2011 bis 2015 wieder gestiegen; die Steigerungen bei den Praxiseinnahmen fallen nur moderat aus: Das sind die wichtigsten Ergebnisse der alle vier Jahre erhobenen Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, die am Dienstag veröffentlicht worden sind. Die aktuellen Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015.

Demnach lagen die Einnahmen pro Praxis 2015 im Schnitt bei 507.000 Euro. Der Durchschnitt ergibt sich über alle Einzel- und fachgleiche Gemeinschaftspraxen aller Fachgruppen.

21% mehr Reinertrag erwirtschafteten Allgemeinarztpraxen je Praxisinhaber im Jahr 2015 im Vergleich zu 2011, so das Statistische Bundesamt.

Die einnahmestarken Praxen verzerren das Bild allerdings: Der Median bei den Praxiseinnahmen lag bei 373.000 Euro, das heißt, die Hälfte aller Praxen erzielte einen Umsatz von 373.000 Euro oder weniger.

Zudem betrachtet das Destatis die Ergebnisse je Praxis, größere Praxen mit vielen (auch angestellten) Ärzten treiben damit die durchschnittlichen Praxiseinnahmen nach oben.

Kasseneinnahmen steigen stärker

Im Vergleich zur vorherigen Destatis-Untersuchung im Jahr 2011 stiegen die Umsätze je Praxis dennoch lediglich um fünf Prozent. Die Kasseneinnahmen legten allerdings schneller zu: Sie nahmen um 7,5 Prozent im Vergleich zu 2011 zu – der Kassenanteil bei den Einnahmen stieg damit von 68,7 auf 70,4 Prozent.

Das ist zwar immer noch deutlich weniger als 2003, als der Kassenanteil noch bei 75 Prozent gelegen hatte, aber erstmals hat sich der Anteil der Privateinnahmen wieder leicht von 28,3 auf 26,3 Prozent verringert.

Die Reinerträge in den Praxen sind allerdings schneller gestiegen als die Umsätze: Laut Destatis erhöhten sie sich von 234.000 auf 258.000 Euro (plus 10,3 Prozent) – was aber auch einer Jahresrate von gerade einmal gut zwei Prozent entspricht, vor Inflation.

Grund für die stärkere Steigerung sind die Aufwendungen, die sich trotz um erhöhter Personalaufwendungen (plus 6,6 Prozent) bei 249.000 Euro stabil gehalten haben.

Der Reinertrag ist allerdings nicht mit dem Einkommen der Ärzte gleichzusetzen. Nicht berücksichtigt werden beispielsweise Aufwendungen für die Altersvorsorge und für private Versicherungen.

Hausärzte im Aufwind?

Allgemeinärzte haben bei der Entwicklung der Reinerträge in den vergangenen vier Jahren besser abgeschnitten als alle Ärzte im Durchschnitt: Die Reinerträge je Praxis stiegen laut Destatis im Durchschnitt von 181.000 auf 227.000 Euro, also um gut 25 Prozent. Je Praxisinhaber ergibt sich immer noch ein Plus von 21 Prozent auf 167.000 Euro. Dennoch liegen Hausarztpraxen immer noch unter dem Durchschnitt aller Praxen.

Bei Internisten stiegen die Reinerträge um 12 Prozent auf 206.000 Euro je Inhaber. Den höchsten Reinertrag je Praxis erzielten im Jahr 2015 die Radiologen mit 850.000 Euro, je Praxisinhaber kamen die Radiologen auf 373.000 Euro.

Ganz am Ende der Skala rangierten die psychologischen Psychotherapeuten mit 66.000 Euro (minus 2,9 Prozent im Vergleich zu 2011).

Die Angaben des Destatis beruhen auf den Ergebnissen der Kostenstrukturstatistik im medizinischen Bereich, einer repräsentativen Stichprobenerhebung von fünf Prozent, die alle vier Jahre durchgeführt wird. 6019 Fragebögen sind in die Untersuchung eingeflossen, darunter gut 520 von Hausarztpraxen ausgefüllte Fragebögen.

In die dargestellten Ergebnisse sind die Werte von fachübergreifenden Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinischen Versorgungszentren laut Destatis nicht eingeflossen.

Erste Reaktionen

In Reaktion auf die veröffentlichten Zahlen erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg: „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich niedergelassene Ärzte seit Jahren auf einem hohen Vergütungsniveau befinden.“ Angesichts der gestiegenen Reinerträge „ist schwer nachzuvollziehen, warum Ärzteverbände immer wieder die angeblich schlechte Vergütung niedergelassener Ärzte beklagen“, argumentierte Stackelberg.

Der Direktor des PKV-Verbandes, Volker Leienbach, unterstrich mit Blick auf den nach wie vor hohen Privatanteil bei den Einnahmen: „Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen den wichtigen Beitrag, den Privatpatienten für das deutsche Gesundheitssystem leisten.

Denn die Einnahmen der Ärzte aus Privatrechnungen fließen in ein gemeinsames Versorgungssystem für gesetzlich und Privatversicherte und kommen damit allen Menschen zugute.“ Rund 11 Prozent aller Krankenversicherten in Deutschland stemmten damit gut 26 Prozent der Praxiseinnahmen, wie der PKV-Verband feststellt. (Mitarbeit: dpa)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kostenstrukturanalyse : Auch auf der Kostenseite liegt der Gewinn

[16.08.2017, 08:04:22]
Henning Fischer 
als die "Reinerträge" in den Neunzigern unter Seehofer dramatisch sanken, konnte man das nirgendwo lesen

aus dieser Zeit hat jede Durchschnittspraxis noch einige hunderttausend Euro Honorarklau zu verkraften.

Und: bei stagnierenden Punktwerten kann Mehrverdienst nur durch Mehrarbeit generiert werden.

Und: die Kassen bezahlen derzeit gerade einmal 62% der erbrachten Leistungen (KVWL)!

Laßt mal die DMP-Einkünfte weg, dann seit Ihr auf dem Honorar-Niveau der 90er.

Und, Herr von Stackelbeck, haben Sie schon gemerkt, daß der Nachwuchs ausbleibt? Es geht nicht darum ,was SIE für angemessen halten, sondern was Ärzte für angemessen halten! und zwar nach 13 Schuljahren, 6 Jahren Studium und 5 Jahren Facharztausbildung und in einem Beruf mit hoher Arbeitsbelastung, hoher Verantwortung und hoher psychischer Belastung.  zum Beitrag »

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