Ärzte Zeitung online, 14.05.2014
 

Kliniken

Mehr Qualität nur gegen bessere Finanzierung?

Mehr Qualität im Krankenhaus haben sich die Koalitionäre von CDU und SPD auf die Fahnen geschrieben. Wie künftig Qualität gemessen werden und welche Konsequenzen aus den Daten gezogen werden sollen, darüber sind sich Experten noch nicht einig.

Mehr Qualität nur gegen bessere Finanzierung?

Welche Klinik liefert bei welcher Behandlung Qualität? Über die Methodik wird unter Experten gestritten.

© Kzenon/fotolia.com

GÖTTINGEN. Pay for Performance im Krankenhaus? Wie die Qualität medizinischer Behandlungen im Krankenhaus gesteigert werden kann - darüber stritten am Mittwoch in Göttingen Vertreter von Krankenhausgesellschaft und der AOK.

Auf der Tagung "Qualität kennt keine Grenzen" des Göttinger Institutes für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA-Institut) diskutierten Uwe Deh, Vorstand im AOK Bundesverband und und Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

"Qualitätorientierte Zu- und Abschläge sind kalter Kaffee", sagt Deh zu Beginn. Aber schlechte Qualität zu guten Preisen sei ebenfalls indiskutabel. Mancher Anbieter könnte dazu verführt sein, große Mengen bestimmter Leistungen von schlechter Qualität anzubieten und damit seinen Verdienst zu erhöhen.

Dass der Medizinmarkt von Discount-Modellen geschützt werden müsse - da waren sich Deh und Baum von der DKG einig.

Deh: Qualität aus den Abrechnungsdaten messen

"Leistungsmessungen am Patienten als Indikatoren für Qualität zu nutzen und entsprechend zu bezahlen, ist überhaupt nicht möglich", betonte Baum. "Bei 200.000 Hüft-TEP-Operationen im Jahr kann man nicht die Qualität aller Ops vergleichen!"

Aber wenn die Krankenhäuser mehr Qualität liefern sollen, dann müssten sich auch das entsprechende Geld zur Verfügung gestellt bekommen, so Baum. "Man kann nicht Geld für schlechte Qualität abziehen, das man vorher nicht eingezahlt hat", sagte Baum.

Deh indessen plädierte für eine Qualitätsmessung aus den Abrechnungsdaten. "Da geht es nicht darum, Einzelfälle zu betrachten." Wenn aber in manchen Häusern weniger oder keine Patienten nach einer Herzkatheter-Behandlung sterben, in anderen Kliniken aber auffällig viele Patienten, dann müsse man fragen, woran das liegt.

"Wer keine gute Qualität liefert, den will ich in der Versorgung nicht haben!", sagte Deh.

Darüber lasse sich reden, so Baum. "Wer den Standard nicht erbringt, muss in einem geordneten Verfahren aus dem System entfernt werden. Aber diese Verfahren dürften auf keinen Fall nach kassenindividuellen Kriterien ablaufen." (cben)

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