Ärzte Zeitung, 27.10.2016
 

Facharztklinik Hamburg

Beleghaus mit Vorbildcharakter

Ein anspruchsvolles Sicherheitskonzept, an das sich sämtliche Belegärzte halten müssen: An der gemeinnützigen Facharztklinik Hamburg wird diese Aufgabe gemeistert: Mit "Team-Time outs" und leicht verständlichen Klinik-Reporten für Patienten.

Von Dirk Schnack

Beleghaus mit Vorbildcharakter

Die Facharztklinik Hamburg hat erfolgreich ein Audit zur Patientensicherheit absolviert.

© B. SOLCHER / Facharztklinik Hamburg

HAMBURG. "Wir dürfen uns keine Fehler erlauben", steht für die Ärzte und Geschäftsführer der Hamburger Facharztklinik fest. Zum einen, weil sie ihre Patienten bestmöglich versorgen wollen. Zum anderen, weil jeder Fehler das Image der kleinen Einrichtung im schwer umkämpften Hamburger Klinikmarkt schwer schädigen würde.

Deshalb setzt die ausschließlich von niedergelassenen Ärzten betriebene Belegklinik konsequent auf Fehlervermeidung. Dabei hat sie inzwischen ein Niveau erreicht, das für andere Einrichtungen als Benchmark gilt.

99 von 100 Punkten erreicht

Bei einem Audit durch die Gesellschaft für Risiko-Beratung (GRB) erreichte die Facharztklinik 99 von 100 möglichen Punkten – der Durchschnitt liegt bei 92.

Das Siegel "Exzellentes Sicherheitsniveau" erreichte die Facharztklinik, weil sie ein Jahr nach der ersten Überprüfung – damals kam sie auf 91 Punkte – viele Präventionsmaßnahmen verbesserte.

Als Beispiel nennt Anästhesistin Dr. Irmtraud Czieslik-Scheltat im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" die konsequente Abarbeitung von Checklisten, auch in puncto Dokumentation. So wurde nach der Ausschleusung aus dem OP zwar schon immer regelhaft eine Haut-Untersuchung des Patienten vorgenommen, um mögliche Schädigungen zu entdecken.

Dies wurde in der Vergangenheit aber nicht in jedem Fall schriftlich festgehalten. "Ich habe dann dem zuständigen Personal hinterhertelefoniert, auch wenn das manchen überflüssig erschien", berichtet die Anästhesistin.

"Team-Time out" ist Standard

Ein anderes Beispiel: Jeder Operateur in der Facharztklinik macht inzwischen vor jedem Eingriff das aus der Luftfahrt bekannte "Team-Time out" und bekommt damit Zeit zum Überlegen, ob alles so vorbereitet ist, wie es sein sollte. "Es geht darum, die maximal mögliche Sicherheit für die Patienten zu erreichen", so Czieslik-Scheltat.

Solche Standardisierungen sind inzwischen von allen Ärzten anerkannt – egal, ob ein Operateur 100 oder nur drei Operationen im Jahr in der Facharztklinik erbringt.

Allerdings gab es zu Beginn manchen lockeren Spruch von altgedienten Kollegen, wie sich Czieslik-Scheltat erinnert. "Es gab keine Opposition. Aber es brauchte ein wenig Zeit, bis die Notwendigkeit, einen Ablauf zu ändern, in allen Köpfen war".

Für Geschäftsführer Christian Ernst ist das nicht verwunderlich – schließlich operieren viele der Ärzte schon länger als 20 Jahre erfolgreich und fehlerfrei. Er hat dennoch eine hohe Aufgeschlossenheit der insgesamt 80 in der Einrichtung operierenden Ärzte beobachtet.

Dass er zusammen mit dem ärztlichen Geschäftsführer Dr. Torsten Hemker auf die Zertifizierung gedrängt hat, begründet er mit der Stellung im Hamburger Klinikmarkt, wo sich jeder Fehler schnell herumspricht und zu negativen Konsequenzen seitens Patienten und Einweiser führt. Die Auswahlmöglichkeiten in der Elbmetropole sind schließlich groß.

Um sich in diesem Markt zu behaupten, baut Ernst außer auf Patientensicherheit auch auf Aufklärung und Information. 2015 hat die Facharztklinik deshalb erstmals und aus freien Stücken einen Qualitätsreport für Patienten erstellt.

Leicht verständlicher Klinik-Report für Patienten

Während manche von Kliniken erstellte Reports für Patienten schwer verständlich sind, geht die Facharztklinik in ihrem Bericht gezielt auf konkrete Fragen der Patienten ein, die dem Personal in Gesprächen vor den Eingriffen gestellt werden.

"Kleine Kliniken müssen bei Information und Aufklärung vielleicht noch mehr leisten als große", so Geschäftsführer Ernst.

Gemessen am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf in der unmittelbaren Nachbarschaft ist die vor zehn Jahren gegründete Facharztklinik zwar tatsächlich klein, inzwischen aber dennoch in der hanseatischen Klinik-Szene etabliert.

Zudem ist sie das größte Beleghaus. 6000 Patienten werden hier jährlich behandelt, 7500 Op vorgenommen. Betreut werden die Patienten von 200 Mitarbeitern. Jeden Wochentag nehmen Ärzte aus zehn Fachrichtungen 30 Eingriffe in der Facharztklinik vor.

Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH sind 60 Ärzte, von denen die meisten selbst dort operieren. Die Rechtsform gewährleistet, dass Gewinne nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern reinvestiert werden.

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