Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

Blutproben müssen zeitnah ausgewertet werden

ZWEIBRÜCKEN (eb). Die Auswertung von Blutproben darf bei Patienten mit Beschwerden nicht auf die lange Bank geschoben werden. Sonst können Ärzte wegen eines Behandlungsfehlers haftbar gemacht werden. Das hat das Oberlandesgericht Zweibrücken entschieden.

Im konkreten Fall ging es um einen 14-jährigen Jungen, der unter Morbus Crohn leidet. Wegen Fieber und brennenden Schmerzen brachte ihn seine Mutter in die Klinik, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Die Laborauswertung lag jedoch erst vier Tage später vor.

In der Zwischenzeit, so die Informationen des Anwalt-Suchservices, hatte sich der Zustand des Jungen erheblich verschlechtert. Bei einer Notoperation wurden mehrere Durchbrüche der Darmwand sowie eitrige Bauchfellentzündungen festgestellt. Ein künstlicher Darmausgang musste zudem verlegt werden, bei dessen Entfernung einige Monate später der 14-Jährige noch einen Teil seines Darms verlor.

Das Oberlandesgericht verurteilte den Arzt wegen eines Behandlungsfehlers zur Zahlung von Schadenersatz und 12000 Euro Schmerzensgeld. Der Arzt hätte wegen der Beschwerden des Jungen dafür sorgen müssen, dass die Blutproben zeitnah ausgewertet werden. Werde ein Befund verspätet erhoben, müsse der Arzt beweisen, dass dieser Behandlungsfehler nicht Ursache für die späteren Gesundheitsschäden bei dem Patienten seien, betonte das Gericht.

Urteil des Oberlandesgerichts Zweibrücken, Az.: 5 U 2/06

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