Ärzte Zeitung online, 27.08.2008

Richter krank - Prozess gegen Krebsärztin droht zu platzen

HANNOVER (dpa). Der Prozess gegen eine Krebsärztin wegen achtfachen Totschlags in Hannover droht zu platzen. Weil ein Richter erkrankt ist, musste das Landgericht bereits drei Verhandlungstermine absagen.

"Bei einem so schwierigen und langwierigen Verfahren hätte man einen Ergänzungsrichter und einen Ergänzungsschöffen teilnehmen lassen müssen", kritisierte der Verteidiger der Ärztin, Matthias Waldraff, am Mittwoch. Die Anklage wirft der Internistin vor, acht Patienten mit hohen Dosen Morphium und Valium getötet zu haben. Die 58-Jährige spricht hingegen von Sterbebegleitung.

Es sei nicht abzusehen gewesen, dass das Verfahren so lange dauern werde, erklärte Landgerichtssprecherin Luzia Tischler. Noch sei unklar, ob der Prozess neu aufgerollt werden müsse. Waldraff wies darauf hin, dass es auch eine Verantwortung gegenüber der Angeklagten gebe. Ihr sei bereits vor fünf Jahren vorläufig die Approbation entzogen worden. "Für sie wird das langsam unerträglich", sagte er. Laut Gesetz darf ein Prozess bei Krankheit eines Richters nicht länger als sechs Wochen unterbrochen werden.

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