Ärzte Zeitung online, 10.10.2008

Anwalt: Neues Unterhaltsrecht stiftet weiterhin Verwirrung

STUTTGART (dpa). Mit Verwirrung, Unsicherheit und falschen Vorstellungen reagieren scheidungswillige Paare auf das neue Unterhaltsrecht. "Viele Männer glauben, jetzt nichts mehr zahlen zu müssen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Familienrechtsforums, Rechtsanwalt Volker Rabaa.

"Und viele Frauen gehen davon aus, dass sie nach der Scheidung ohne Geld dastehen", sagte der Rechtsanwalt in einem Gespräch mit der dpa in Stuttgart

Paaren in Trennung rät Rabaa, sich umfassend über ihren Fall zu informieren. Jungen Paaren empfiehlt er einen Ehevertrag, um die wirtschaftlichen Risiken für beide Seiten kalkulierbar zu machen und Streit im Falle der Trennung zu vermeiden. In Stuttgart wird am Samstag (11. Oktober) erstmals ein Forum mit Vorträgen und Informationen rund um das Thema Scheidung veranstaltet.

Auch für Anwälte berge das seit Januar gültige Unterhaltsrecht noch Probleme, sagte Rabaa. Sie könnten nur schwer einschätzen, wie das Gericht entscheiden wird. Da das neue Gesetz keine klaren Vorgaben mache, "eiern viele Familiengerichte rum" und setzten die neuen Regelungen eher verhalten um. "Man wartet noch ab, bis vom Bundesgerichtshof genügend Urteile vorliegen, die als Richtschnur für die Familienrichter dienen können."

Das neue Unterhaltsrecht will die eheliche Eigenverantwortung stärken und bietet keine unbegrenzte Garantie für den bisherigen Lebensstandard. "Damit werden vor allem die Frauen wieder in die Berufstätigkeit geschickt", erläuterte der Anwalt. "Jede dritte Ehe landet heute vor dem Scheidungsanwalt, in den Städten sogar jede zweite", betonte Rabaa.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 187 072 Ehen geschieden, fast 3900 weniger als 2006.

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