Ärzte Zeitung online, 22.10.2008

Nach Todesfällen an Klinik Wegberg: Chef wieder auf freiem Fuß

MÖNCHENGLADBACH (dpa). Der ehemalige Chef der Klinik Wegberg bei Mönchengladbach, an der sieben Patienten durch Behandlungsfehler gestorben sein sollen, ist auf freiem Fuß. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht ordnete am Mittwoch die Freilassung des Mediziners aus der Untersuchungshaft an.

Es bestehe keine Fluchtgefahr, begründeten die Richter ihren Beschluss. In Wegberg sollen zahlreiche Patienten falsch, unnötig und ohne Einwilligung operiert worden sein. An der Klinik sollen die Ärzte auf Anordnung Zitronensaft auf Operationswunden geträufelt haben, um teurere Desinfektionsmittel einzusparen.

Das Mönchengladbacher Landgericht hatte noch im September eine Fluchtgefahr gesehen und entschieden, dass der Klinikleiter in Haft bleiben müsse. Dem 52-Jährigen wird in drei Fällen Körperverletzung mit Todesfolge, in vier Fällen fahrlässige Tötung und in 60 Fällen Körperverletzung vorgeworfen. Er saß seit Mitte April hinter Gittern. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

Neben dem einst renommierten Arzt, der in Personalunion Inhaber, Geschäftsführer und ärztlicher Direktor der Klinik war, sind acht weitere Mediziner angeklagt. Der Chefarzt war Mitte April festgenommen worden, nachdem bekannt geworden war, dass er Vermögen in der Schweiz verschwiegen hatte. Das Vermögen sei inzwischen nach Deutschland zurück übertragen worden, berichtete ein Sprecher des Oberlandesgerichts.

Lesen Sie dazu auch:
Zitronensaft zur Desinfektion von Wunden: Anklage gegen Klinik-Chefarzt erhoben

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