Ärzte Zeitung online, 24.10.2008

Verunreinigte Spritzen? 1800 Patienten zum Hepatitis- und HIV-Test aufgerufen

SIGMARINGEN (dpa/ava) Infektionsgefahr für mehr als 1800 Patienten einer Facharztpraxis im baden-württembergischen Bad Saulgau: Kranke, denen von Januar 2005 bis Oktober 2007 Blut entnommen wurde oder die Injektionen sowie Fusionen erhalten haben, könnten betroffen sein, teilte das Sigmaringer Landratsamt am Freitag mit.

Diese Patienten sollten sich nun auf den HIV sowie auf Hepatitis B und C testen lassen. Arzthelferinnen hatten die Behörden alarmiert und unter anderem berichtet, dass die 56 Jahre alte Hals-Nasen-Ohren- Ärztin Spritzen mehrfach verwendete und nicht ausreichend desinfizierte. Im Juli 2008 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Praxischefin. Daraufhin hatte das Landratsamt "mit erheblichem Verwaltungsaufwand und hohem Personaleinsatz" mehrere Tausend Patientenakten der Praxis gesichtet und ausgewertet. Am Mittwoch wurden dann etwa 1800 Patenten angeschrieben, die eine Infusion, Blutentnahme oder eine Injektion erhalten hatten. In einem Brief vom Gesundheitsamt werden sie aufgefordert, sich vorsorglich auf Hepatitis B, C und HIV untersuchen zu lassen. Mindestens drei Patienten sollen sich nach Angaben des Südwestrundfunks bereits mit Keimen infiziert haben.

Die Medizinerin muss sich vom 19. November an vor dem Landgericht Ravensburg wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz und Körperverletzung verantworten. Das Landratsamt hat nach eigenen Angaben bisher keine Anhaltspunkte für den Anstieg von ansteckenden Infektionskrankheiten in der Region.

Das Ravensburger Landgericht teilte mit, die Ärztin habe unter anderem verschmutzte Spritzen, Inhalatormundstücke und Infusionsbestecke verwendet. Sie habe auch auf dem Gebiet der homöopathischen und anthroposophischen Medizin gearbeitet und beispielsweise Eigenblutbehandlungen angeboten. Dafür habe sie aber keine Behördenerlaubnis gehabt. Die Ärztin habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Ende September waren im Landkreis Goslar etwa 2000 Patienten einer Arztpraxis angeschrieben worden und zu Bluttests aufgerufen, nachdem zwölf Hepatitis-Fälle aufgetreten waren. (wir berichteten)

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