Ärzte Zeitung online, 11.12.2008

Toupet kann nicht ohne weiteres von der Steuer abgesetzt werden

NEUSTADT/WEINSTRAßE (dpa). Schlechte Nachrichten für Toupetträger: Die Kosten für ein künstliches Haarteil können nicht ohne weiteres von der Steuer abgesetzt werden. Darauf hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil hingewiesen.

In dem Urteil heißt es, der Kauf eines Toupets könne dann als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, wenn ein Amts- oder Vertrauensarzt vor dem Kauf des Haarteils bescheinige, dass die Anschaffung aus medizinischen Gründen nötig sei. Mit dem Urteil wies das Gericht die Klage eines älteren Toupetträgers aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz gegen sein Finanzamt ab.

2006 hatte der damals 65-Jährige beim Finanzamt vergeblich die Anschaffungskosten für ein Toupet von 850 Euro geltend gemacht. Das vom Amt geforderte Attest eines Amts- oder Vertrauensarztes besaß er nicht. Er erklärte, wegen einer Haarausfallerkrankung sei ihm seit 1970 alle zwei Jahre ein künstliches Haarteil ärztlich verschrieben worden. Die Krankenkasse habe die Kosten bis zur gesetzlichen Neuregelung einschließlich 2000 übernommen, das Finanzamt habe sie für 2002 und 2004 anerkannt. Das Gericht erklärte, im Krankheitsfall könnten nicht von der Kasse erstattete Heilbehandlungskosten als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden. Um einen Missbrauch zu vermeiden, müsse aber vor dem Kauf ein amts- oder vertrauensärztliches Attest vorgelegt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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