Ärzte Zeitung online, 29.12.2008

Sterbehilfe: Gericht entscheidet über Polizeiverfügung gegen Kusch

HAMBURG (dpa). Das Hamburger Verwaltungsgericht entscheidet voraussichtlich im Januar über eine Polizeiverfügung gegen den "Sterbehelfer" Roger Kusch. Mit einer mündlichen Verfügung hatte die Polizei dem früheren Hamburger Justizsenator im Zuge einer Razzia Ende November in seinem Büro und seinen Wohnungen jede weitere Sterbehilfe verboten, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer am Montag.

Dagegen habe Kusch vor dem Verwaltungsgericht geklagt, sagte Meyer der dpa und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Die Polizei müsse bis zum 9. Januar 2009 zu der Klage gegen die Verfügung Stellung nehmen, sodass wohl Ende des Monats darüber entschieden werde.

Anlass für die Durchsuchung von Kuschs Wohnungen und seines Anwalts-Büro - zugleich Sitz seines Vereins "Dr. Roger Kusch - Sterbehilfe" - war der Tod einer 84 Jahre alten Hamburger Rentnerin Ende September. Kusch hatte die Frau nach eigenen Angaben beim Selbstmord unterstützt. Rechtsmediziner wiesen bei der Rentnerin eine hohe Dosis eines verschreibungspflichtigen Malaria-Medikaments nach. Kusch steht nach Angaben der Hamburger Ermittler im Verdacht, das Medikament besorgt und damit gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben.

Der umstrittene Jurist Kusch begleitete bisher fünf Menschen beim Selbstmord. Erstmals half er im Juni einer 79 alten Frau aus Würzburg dabei, sich selbst zu töten, und löste damit eine Welle der Empörung aus (wir berichteten). Die Rentnerin nahm Kusch zufolge unter anderem ein Malaria-Medikament ein. Der Tod der Frau wurde nach ihrer Obduktion als normaler Selbstmord ohne Fremdbeteiligung eingestuft.

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