Ärzte Zeitung online, 26.01.2009

Klinikaffäre Münster - Anklage gegen Herzchirurgin wegen Verleumdung

MÜNSTER (dpa). Monatelang wurde gegen Mediziner der Uniklinik Münster wegen angeblicher tödlicher Operationsfehler ermittelt - jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen eine Herzchirurgin und deren Lebensgefährten unter anderem wegen Verleumdung Anklage erhoben.

Der früher an der Klinik tätigen Ärztin und ihrem Partner werde vorgeworfen, Daten von Patienten außen stehenden Dritten mitgeteilt und "unzutreffende Vorwürfe" verbreitet zu haben, teilte die Anklagebehörde am Montag mit.

Die anonymen, auch an die Generalstaatsanwaltschaft Hamm geschickten Briefe über die angeblichen Kunstfehler hatten für viel Aufsehen gesorgt.

Das Motiv der Medizinerin war nach Erkenntnis der Ermittler, den Leiter der Herz-Thorax-Chirurgie "zu diskreditieren, um auf diese Weise seine vorzeitige Entfernung aus dem Dienst herbeizuführen" und um Nachfolgerin zu werden. Nachdem zwischenzeitlich das Arbeitsverhältnis der Herzchirurgin beendet worden war, soll sie mit ihrem Partner aus Rache "die Kampagne gegen das Herzzentrum durch das Verfassen von weiteren anonymen Briefen mit diskriminierendem Inhalt fortgesetzt haben".

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) sieht sich als Opfer einer Rufmordkampagne und beklagt einen wirtschaftlichen Schaden von fünf Millionen Euro. "Das UKM wird eine Schadensersatzforderung geltend machen", sagte Professor Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor der Klinik. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war monatelang gegen Mediziner der Herzchirurgie wegen fahrlässiger Tötung in 13 Fällen ermittelt worden. Das Verfahren wurde nach Einholung von Gutachten wegen erwiesener Unschuld eingestellt.

Lesen Sie dazu auch:
Affäre um tödliche Arztfehler entpuppt sich als Rufmordkampagne
Unschuld erwiesen - Ermittlungen gegen Herzchirurgen in Münster gestoppt

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