Ärzte Zeitung online, 19.03.2009

Kaufhof nimmt Computerspiele ohne Jugendfreigabe aus dem Verkauf

KÖLN (dpa). Nach dem Amoklauf von Winnenden will die Warenhauskette Galeria Kaufhof alle Computer- und Videospiele aus dem Verkauf nehmen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. "Wir tun das, um in gesellschaftspolitischer Hinsicht ein Zeichen zu setzen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Mittwoch in Köln und bestätigte damit eine Meldung von "Focus online".

Auch Filme ohne Jugendfreigabe würden künftig nicht mehr angeboten. Der Amokläufer hatte Gewaltspiele auf dem Computer gespielt; allerdings bezweifeln Experten seit Jahren einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Gewaltspielen und Gewalttaten.

Auch andere Händler setzen auf Jugendschutz, verbannen aber Spiele nicht grundsätzlich aus dem Angebot, wie Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels, betonte. "Dabei helfen nicht zuletzt auch modernste Kassensysteme, die einen Warnton geben, wenn eine Alterskontrolle durchgeführt werden muss", sagte Fischel zur dpa. "Wer die Altersbeschränkungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) nicht anwendet, riskiert nicht zuletzt auch ein Bußgeld." Im Zweifelsfall müsse sich der Verkäufer den Personalausweis des Kunden zeigen lassen.

Der Geschäftsführer des Branchenverbands der Spieleindustrie (BIU), Olaf Wolters, kritisiert den Verkaufsstopp: "Ich finde es wirklich bedenklich, dass Kaufhof damit jedem Erwachsenen sein Recht auf Unterhaltung beschneidet", sagte Wolters zu "Focus online". Die Kaufhof-Sprecherin wollte dies nicht kommentieren.

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