Ärzte Zeitung online, 10.07.2009

Verlangte Transplantationsmediziner "Spende" von todkranken Patienten?

ESSEN (dpa). Gegen den Leibarzt des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, Professor Christoph Broelsch, hat das Essener Landgericht ein Verfahren wegen Bestechlichkeit, Betrugs in besonders schwerem Fall und Steuerhinterziehung eröffnet.

Die Hauptverhandlung gegen den Transplantationsmediziner soll im September dieses Jahres beginnen, teilte das Gericht am Freitag mit. Es werde eine Verhandlungsdauer von mehreren Monaten erwartet.

Dem Mediziner wird unter anderem vorgeworfen, von todkranken Krebspatienten eine "Spende" verlangt zu haben, wenn er sie persönlich behandelte. Dabei soll es auch darum gegangen sein, Patienten auf der Warteliste vorzuziehen.

Broelsch hat eine Schuld bislang zurückgewiesen. Der Transplantationsmediziner bezeichnete seine Spendenpraxis als Entgegenkommen für Kassenpatienten, die persönlich von ihm behandelt werden wollten, aber die Mehrkosten nicht aufbringen konnten.

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Essener Landgerichts muss sich Broelsch nun in 36 Fällen wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit verantworten. Dabei gehe es um insgesamt 185 000 Euro, die auf ein Drittmittelkonto der von Broelsch geleiteten Klinik eingezahlt worden seien, teilte ein Gerichtssprecher mit. Auf das Konto, auf dem das Geld für Forschung und Lehre verwaltet wurde, habe der Mediziner Zugriff gehabt.

In der Regel sollen dabei von den Patienten Beträge zwischen 5000 und 7000 Euro gezahlt worden sein. In der Spitze solle es sich um einen Betrag von bis zu 15 000 Euro handeln, sagte der Sprecher. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor 39 Fälle von Mitte 2002 bis Mitte 2008 mit einer Summe von 219 000 Euro angeklagt. Davon wurden jedoch drei Fälle mit einer Summe von zusammen 34 000 Euro nicht zu der Hauptverhandlung zugelassen.

Weitere Berichte über das Verfahren gegen den Transplantationsmediziner

Az.: 56 Kls 20/08

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »