Ärzte Zeitung online, 24.07.2009

Klinik einigt sich mit angeblicher Brötchen-Diebin

HEILBRONN (dpa). Der Prozess um drei angeblich gestohlene Brötchen ist mit einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht Heilbronn beendet worden. Die entlassene 59 Jahre alte Küchenangestellte eines Krankenhauses in Künzelsau (Baden-Württemberg) nahm am Freitag vor dem Arbeitsgericht Heilbronn ein Angebot ihres früheren Arbeitgebers an.

Demnach bleibt es bei der Kündigung, doch die Klinik hält ihre Vorwürfe nicht aufrecht und zahlt der Frau noch bis Ende September Gehalt. Das Krankenhaus hatte der Mitarbeiterin nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt, weil im Februar drei Brötchen in ihrem Spind gefunden worden waren. Das Vertrauen zu ihr sei nach dem Fund zerstört gewesen, sagte der Klinik-Personalchef.

Kündigungen wegen Bagetellschäden sind nicht selten

Richterin Anja Berkner ließ im Prozess durchblicken, dass sie die fristlose Kündigung nicht aufheben werde. Am 24. Februar waren dringend Brötchen gesucht worden, um einen neu aufgenommenen Patienten mit einem Abendessen zu versorgen, wie Willi Kopp sagte. Schließlich mussten alle Mitarbeiterinnen der Küche ihre Spinde öffnen. "Entweder kann ich einer Arbeitnehmerin vertrauen, oder nicht." Der Wert einer Sache spiele dafür keine Rolle. "Die Küchenkräfte durften dabei immer von den Lebensmitteln essen, sie aber nicht mitnehmen."

Die 59-Jährige hatte gehofft, vor Gericht mit Hilfe von Zeugen ihre Unschuld beweisen zu können. "Ich hatte die Brötchen in den Schrank gelegt und wollte sie nach Feierabend mit einer Kollegin essen", sagte die gelernte Beiköchin. Doch ein Bäckereilieferant widersprach den Angaben der 59-Jährigen. Auch zwei Mitarbeiterinnen der Krankenhausküche bestritten die Darstellung der Klägerin.

Immer wieder erregen Kündigungen wegen Bagatellschäden Aufsehen: Im Februar verlor eine Berliner Supermarkt-Kassiererin ihren Job wegen zweier Pfandbons im Wert von 1,30 Euro. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entscheidet am Dienstag, ob sie gegen ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Revision einlegen kann. Am kommenden Donnerstag (30. Juli) verhandelt das Mannheimer Arbeitsgericht den Fall eines Müllmanns, der ein Kinderbett vom Müll mitgenommen hatte und deshalb entlassen wurde.

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