Ärzte Zeitung online, 27.07.2009

BGH: Ärzte haften auch bei Non-Compliance

Arzt muss auf mögliche Folgen der Nichtbehandlung hinweisen / Keine Dokumentationspflicht

KARLSRUHE(mwo). Nimmt ein Patient ärztlichen Ratnicht an, muss sein Arzt auf mögliche schwer wiegende Folgen derNichtbehandlung hinweisen. Andernfalls kann der Arzt trotz einesrichtigen Rates in die Haftung geraten, wie aus einem inzwischenschriftlich veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH)in Karlsruhe hervorgeht.

BGH: Ärzte haften auch bei Non-Compliance

Foto: James Steidl©www.fotolia.de

Die therapeutische Beratung gehört nach dem BGH-Urteil "zu denselbstverständlichen ärztlichen Behandlungspflichten".

Im Streitfall war der Patient wegen eines Hypophysentumors in einerhessischen Klinik operiert worden. Danach baute er körperlich ab.Untersuchungen ergaben bezüglich der Operation zwar einen normalenBefund, der Krankenhausarzt riet jedoch zu einer erneutenstationären Aufnahme und ordnete Infusionen an.

Der Patient lehnte dies ab, kehrte aber am Folgetag als Notfallzurück. Auf der Intensivstation diagnostizierten die Ärzteeinen Schlaganfall. Der Patient war danach ein Jahr langarbeitsunfähig und verlangte Schadenersatz.

Aufgrund mehrerer Gutachten führte das Oberlandesgericht (OLG)Frankfurt den Schlaganfall auf Dehydration zurück. Weil derPatient die ärztlich angeratenen Infusionen abgelehnt habe, treffedas Krankenhaus und seine Ärzte daran aber allenfalls eine geringeSchuld.

Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof nun auf: Die Ärztehätten deutlich auf die Gefahren einer Dehydration hinweisen undden Patienten zumindest auffordern müssen, gegebenenfalls sofortwieder die Klinik oder den Hausarzt aufzusuchen, forderten dieKarlsruher Richter. Dass ein solcher Hinweis unterblieben sei,könne ein grober Behandlungsfehler sein.

Dies soll im konkreten Fall das Oberlandesgericht nunüberprüfen. Wenn ja, kehre sich die Beweislast um und dieKlinik müsse belegen, dass der Fehler nicht für denSchlaganfall ursächlich sei.

Ob die Aufklärung über DehydrationsgefahrenDokumentationspflichtig ist oder nicht, spielt nach dem Urteil desBundesgerichtshofs keine Rolle.

Urteil des Bundesgerichtshofs, Az.: VI ZR 157/08

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