Ärzte Zeitung online, 11.09.2009

Erpresserischer Zahnarzt muss hinter Gitter

ULM/GÖPPINGEN (dpa). Er war psychisch und finanziell am Ende. Bei seinem Vermieter hatte der Zahnarzt aus Göppingen 48 000 Euro Schulden und sah keine Lösung. Deshalb überfiel er ihn, bedrohte ihn mit zwei Pistolen und hielt ihn mehrere Stunden lang fest.

Die Situation sei eskaliert und er sei durchgedreht. "Es tut mir leid, was passiert ist und ich bereue es", beteuerte der Angeklagte mehrmals mit leiser Stimme. Trotzdem verurteilte das Landgericht Ulm den 59-Jährigen am Donnerstag wegen schwerer räuberischen Erpressung zu viereinhalb Jahren Haft.

"Ich habe keinen Ausweg mehr gesehen und wusste nicht, was ich machen sollte", beschrieb der Zahnarzt seine Situation. Schon seit längerem hatte er seine Miete nicht gezahlt. Anfang Juni hatten sich die Schulden auf rund 48 000 Euro summiert. Um eine weitere Pfändung bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung zu verhindern, ging der Zahnmediziner kurz vor Geschäftsschluss mit zwei Pistolen in die unter seiner Praxis liegende Apotheke des Vermieters (wie berichtet). Dort zwang er den 37-Jährigen, die Pfändung zurückzunehmen und ihm 20 000 Euro zu überweisen. "Mir ist die Sache mit den Amokläufen durch den Kopf geschossen", berichtete der Vermieter als Zeuge vor Gericht.

Danach fuhren Täter und Opfer in die Wohnung des Apothekers, um dort zu warten, bis die Überweisung am nächsten Morgen vom Konto abgebucht wird. "Aber für mich war es eine Horrorvorstellung, die Nacht über zu bleiben", sagte der Vermieter aus. Er habe deswegen versucht, seinen Mieter zu beruhigen; auch weil er ihn bis zu diesem Tag als "besonnenen, ruhigen Menschen" kennengelernt habe. Nachdem er dem Zahnarzt versprochen hatte, das überwiesene Geld als Darlehen zu betrachten und nicht die Polizei zu alarmieren, konnte er tatsächlich gehen. Weil er einen Schock hatte, sei er erst später zur Polizei gegangen und habe auch die Überweisung storniert.

Bei der späteren Durchsuchung seiner Praxis, in der der Zahnarzt auch wohnte, fand die Polizei außer zwei Pistolen auch einen Revolver und rund 160 Schuss Munition. Dabei besaß der seit seiner Kindheit von Waffen begeisterte Sportschütze gar keinen Waffenschein.

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