Ärzte Zeitung online, 24.09.2009

Gericht: Kein Anspruch für verpassten Spekulationsgewinn

KARLSRUHE (dpa). Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe hat Schadensersatzansprüchen wegen angeblich entgangener Spekulationsgewinne enge Grenzen gesetzt. Verpasst ein Anleger einen großen Gewinn, weil er eine fällige Forderung erst mit Verspätung ausbezahlt bekommt und er das Geld deshalb nicht früher spekulativ anlegen konnte, hat er allenfalls in Ausnahmefällen einen Schadensersatzanspruch.

Nach einem Urteil vom Donnerstag ist dafür jedenfalls notwendig, dass der Anleger seinen Schuldner rechtzeitig vor einem außergewöhnlich hohen Schaden bei verspäteter Rückzahlung warnt. Außerdem muss es sich um einen echten "Spekulanten" handeln, der auch bei früheren Gelegenheiten sein Geld in besonders riskante Papiere investiert hat.

Damit wies das OLG den Anspruch eines Klägers ab, der von einem Architekten fast 100 000 Euro Schadensersatz gefordert hatte. Als der Großteil des Geldes - verspätet - eintraf, kaufte der Kläger Optionsscheine und machte damit rund 36 000 Euro Gewinn. Wegen weiterer angeblich entgangener Gewinne verklagte er seine Anwaltskanzlei. Der Grund: Die Kanzlei habe - obwohl dazu aufgefordert - keinen "Warnhinweis" auf einen drohenden hohen Schaden an den Architekten weitergeleitet.

Das OLG wies die Klage ab. Der Großteil der Forderung sei ohnehin kurz nach dem - nicht weitergeleiteten - Warnhinweis bezahlt worden. Auch für den Rest käme - wenn überhaupt - ein Schadensersatzanspruch nur in Betracht, wenn der Kläger ein entsprechendes "Spekulationsprofil" aufweise, in diesem Fall also regelmäßig riskante Optionsscheine gekauft hätte. Dies sei aber nicht der Fall. Seine Geschäfte glichen laut OLG eher dem Versuch, im Einzelfall eine Spekulation auf Kosten des säumigen Schuldners zu unternehmen.

Az: 8 U 233/07 vom 22. September 2009

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »