Ärzte Zeitung online, 29.09.2009

Tod im Altenheim: Bewährungsstrafen für Pflegerin und Heimleiter

MANNHEIM/DÜSSELDORF (dpa). Mit einer Mullbinde haben Pfleger in einem Altenheim eine Seniorin an ihren Rollstuhl gebunden, damit sie nicht herausfällt. Als sie später nach der betagten Frau sehen wollten, war sie tot - die Frau hatte sich stranguliert.

Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte das Amtsgericht Mannheim am Montag den Altenheimleiter zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und 3000 Euro Geldstrafe. Eine Pflegerin erhielt neun Monate Haft auf Bewährung. Auch in Düsseldorf stand ein Altenheimpfleger vor Gericht. Er soll Patienten gequält haben.

In dem Mannheimer Prozess lautete die Anklage auf fahrlässige Tötung. Bei der Urteilsverkündung sagte der Richter: "Sie haben markant gegen eine Vielzahl beruflicher Pflichten verstoßen." Unter anderem seien keine Fachkräfte eingesetzt worden, außerdem sei die Seniorenresidenz nicht für Pflegefälle ausgelegt. Die Einrichtung gehört zum Betreuten Wohnen. Zusätzlich wird sie von einem ambulanten Pflegedienst betreut. Die Verteidiger der beiden Angeklagten wollen über eine Revision entscheiden.

In Düsseldorf werden Pfleger beschuldigt, ihre Patienten gequält und sich selbst bei den Taten gefilmt zu haben. So soll ein 49-Jähriger unter anderem einer Frau mit Gesichtskrebs mit den Fingern ins Gesicht gedrückt haben. Ein anderes Mal sei ein Bewohner mit eiskaltem Wasser abgespritzt worden, sagte ein ehemaliger Pfleger des Heims als Kronzeuge aus. In einem dritten Fall habe ein Pfleger eine alte Frau mit der Matratze ihres Bettes gegen die Zimmerwand gequetscht, um sie mit einem Gurt zu fixieren. Ein im Wachkoma liegender Bewohner habe an den Armen blaue Flecken und eine massive Schwellung gehabt. Der 49-Jährige soll den bettlägerigen Mann mit Wucht gegen das Bett-Gitter geworfen haben.

   Viele der angeblich Malträtierten sind inzwischen tot oder nicht vernehmungsfähig. Nachdem er Strafanzeige erstattet hatte, sei ihm gekündigt worden, berichtete der 30 Jahre alte Zeuge. Während der wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagte Pfleger zu den Vorwürfen schweigt, vermuten die Verteidiger, dass es sich bei der Strafanzeige um einen Racheakt handelt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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