Ärzte Zeitung online, 02.10.2009

Streit um Entlassung wegen Maultaschen verschärft

RADOLFZELL (dpa). Wieder müssen deutsche Richter über eine Kündigung wegen vermeintlicher Kleinigkeiten entscheiden. Am Bodensee lehnte eine Altenpflegerin den vorgeschlagenen Vergleich zu ihrer Entlassung wegen sechs Maultaschen ab, wie das Arbeitsgericht Radolfzell (Kreis Konstanz) am Freitag mitteilte. Nun werde die Kammer am 16. Oktober ein Urteil verkünden.

Die Spitalstiftung Konstanz hatte der Frau gekündigt, weil sie sechs Maultaschen gestohlen habe. Dagegen hatte die 58-Jährige geklagt.

Die Pflegerin hatte die Teigwaren von der Mittagsverpflegung der Heimbewohner abgezweigt. Vor Gericht berief sie sich auf eine übliche Praxis in dem Altenheim. Sie habe nach einem langen Arbeitstag und vor einer nachmittäglichen Fortbildung ihren Hunger stillen wollen.

Die Stiftung hatte dagegen von vollendetem Diebstahl gesprochen. Dem Personal sei es ausdrücklich verboten, übriggebliebenes Essen der alten Leute zu verzehren. Auch seien die sechs Maultaschen in einer Tasche versteckt worden. Das Arbeitsverhältnis sei deshalb zerrüttet.

"Die Maultaschen wären im Müll gelandet", hatte dagegen der Anwalt der Klägerin bei der Verhandlung am 22. September gesagt. Weil die Frau schon seit 17 Jahren in dem Heim arbeite, hätte es auch eine Abmahnung getan.

Eine außergerichtliche Einigung, bei der eine Abfindung von rund 18 000 Euro angeboten worden war, war bereits vor der Verhandlung gescheitert. Die Richterin hatte dann 25 000 Euro vorgeschlagen. Doch auch diese Summe wollte die Altenpflegerin nun nicht annehmen.

Kündigungen im Streit um geringe Werte haben in den vergangenen Monaten mehrfach für Aufsehen gesorgt. Am bekanntesten ist der Fall einer Berliner Kassiererin, die wegen des angeblichen Diebstahls eines Pfandbons im Wert von 1,30 Euro fristlos entlassen wurde. Hier wird das Bundesarbeitsgericht endgültig entscheiden.

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