Ärzte Zeitung online, 29.10.2009

Schönheitschirurg lässt Op-Stoff im Patienten: Haftstrafe

WÜRZBURG (dpa). Ein Schönheitschirurg hat in Würzburg bei einer Bauchstraffung absichtlich einen dünnen Op-Stoff im Körper eines Patienten gelassen - das muss der 76-Jährige nun mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten büßen. Das Amtsgericht Würzburg verurteilte den Arzt am Mittwoch wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchten Betrugs.

Bei der Bauchstraffung des damals 30-jährigen Mannes will der Arzt nichts falsch gemacht haben. Nach Angaben des Gerichts hätte er statt des Op-Stoffes ein teures Titannetz einsetzen müssen, um die Wunde zu stabilisieren.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchten Betrugs in drei Fällen eine Haftstrafe von zwei Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte nur den versuchten Betrug gesehen und auf 180 Tagessätze zu je 70 Euro plädiert.

Der Chirurg hatte im August 2004 den damals 30-Jährigen operiert. Der Patient litt später wegen des Op-Stoffes in seinem Körper unter Schmerzen und musste erneut unters Messer.

Der bereits vorbestrafte Mann hatte zugegeben, jahrelang eine Kosmetikerin als Op-Schwester eingesetzt zu haben. "Sie hat mir fünf bis sechs Jahre assistiert. Ich habe sie ausgebildet", sagte der Chirurg. Die 44-jährige Frau hingegen hatte zu Prozessauftakt am Montag erklärt, sie habe keine medizinische Ausbildung erfahren.

Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten zudem wegen versuchten Betrugs in drei Fällen. Unter anderem hatte der Mann versucht, der Staatskasse die Übernachtungskosten für seinen Anwalt aufzubürden. Im kommenden Februar steht der Arzt wegen grober Fehler bei einer Brustvergrößerung erneut vor Gericht.

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