Ärzte Zeitung online, 30.10.2009

Weitere Runde im Streit um Folgen eines Amoklaufs

LEIPZIG (dpa). Der Rechtsstreit eines Lehrers um die Folgen des Amoklaufs von Freising bleibt weiter nicht entschieden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelte am Donnerstag darüber in einem Revisionsverfahren - und verwies den Fall zur erneuten Entscheidung zurück an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

Der Lehrer war 2002 bei dem Amoklauf mit insgesamt fünf Toten im Schulgebäude und zwei weiteren Opfern äußerlich unversehrt geblieben, weil er wegen Krankheit nicht in der Schule war. Der Attentäter - ein Ex-Schüler - hatte aber gezielt nach ihm gefragt. Seither leidet der Pädagoge unter psychischen Problemen. Aus Sicht der Richter ist das Geschehen schon als "Angriff" zu werten.

Der Freistaat Bayern weigerte sich bisher jedoch, das Geschehen von Freising im Februar 2002 als Dienstunfall anzuerkennen. Der Pädagoge leidet an psychischen Problemen; er wurde vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Ein Ex-Schüler hatte im Februar 2002 schwer bewaffnet die Wirtschaftsschule in Freising gestürmt und den Rektor sowie einen weiteren Pädagogen erschossen. Im EDV-Raum fragte er nach dem krankgeschriebenen Lehrer. "Wenn er dort gewesen wäre, hätte er ihn erschossen", sagte die Anwältin des Mannes, Gabriele Schenk. Dass ihr Mandant äußerlich unversehrt blieb, sei ein reiner Glücksfall. Trotzdem habe er ein Trauma erlitten. Der Lehrer sei angegriffen worden, juristisch handele es sich um einen "Vergeltungsangriff". Im Beamtenrecht ist das die Voraussetzung für das von dem Lehrer erhoffte Unfallruhegehalt.

Ob die seelische Erkrankung des Mannes aber tatsächlich unmittelbar mit dem Angriff zusammenhängt, müsse noch geprüft werden, erklärte das Bundesverwaltungsgericht. Der Fall sei einzigartig und tragisch, sagte der Vorsitzende Richter des 2. Senats, Georg Herbert. "Es wäre gut, wenn der VGH die Sache nun schnell endgültig entscheidet."

Der Amokschütze hatte neben den Pädagogen auch noch zwei Menschen an seiner früheren Arbeitsstätte erschossen. Am Ende tötete er sich selbst.

Az.: BVerwG 2 C 134.07

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