Ärzte Zeitung online, 25.11.2009

Gericht bestätigt Urteile in Zahngold-Affäre

NÜRNBERG (dpa). Krematoriumsmitarbeiter, die sich heimlich an Zahngold eingeäscherter Toter vergreifen, machen sich strafbar. Mit diesem am Mittwoch veröffentlichten Urteil hat das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg einen Schlussstrich unter den jahrelangen Rechtsstreit in der Nürnberger Zahngold-Affäre gezogen.

Das Gericht bestätigte ein zweitinstanzliches Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth, das die sechs Beschuldigten im Februar zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt hatte. Lediglich den Vorwurf der Störung der Totenruhe ließ das OLG in seinem rechtskräftigen Urteil fallen. Die Verurteilten hatten auf einen Freispruch gehofft.

Die sechs Mitarbeiter des Krematoriums im Alter zwischen 30 und 55 Jahren hatten jahrelang Zahngold beiseitegeschafft, das bei der Einäscherung der Toten anfiel. Ein Metallabscheider sorgte dafür, dass das Edelmetall zusammen mit anderen Metallteilen wie künstliche Hüftgelenke oder Sargnägel nach der Verbrennung aussortiert wurde. Anschließend verkauften sie das Zahngold und verschafften sich dadurch einen ansehnlichen Nebenverdienst. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatten die Männer damit rund 130 000 Euro erlöst.

Juristisch ist der Fall nach OLG-Einschätzung - anders als im vorinstanzlichen Urteil - dennoch nicht als Störung der Totenruhe einzustufen: "Durch die maschinelle Aussonderung des Zahngoldes in einen Sammelbehälter war zu diesem Zeitpunkt kein Zusammenhang zu einzelnen Verstorbenen gegeben", begründet das Gericht sein Urteil. Zudem sei per Gesetz nur die Asche eines Verstorbenen gegen Zugriffe geschützt. Das unverbrannt zurückgebliebene Zahngold könne aber nicht als Asche angesehen werden. Am Strafmaß ändere dies jedoch nichts, betonte das OLG.

Den Vorwurf des sogenannten Verwahrungsbruchs hält dagegen auch das OLG für begründet. Schließlich sei mit der Übergabe der Verstorbenen an die Friedhofsverwaltung "ein strafrechtlich besonders geschütztes Verwahrungsverhältnis begründet worden", betont das Gericht in einer Pressemitteilung. Dieses Verwahrungsverhältnis schließe auch das Zahngold der Toten ein. "Dieses spezielle Obhutsverhältnis ist von den Verurteilten durch die heimliche Wegnahme des Zahngoldes gebrochen worden", betont das Gericht. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in einen sorgsamen Umgang der öffentlichen Hand mit den Toten sei so nachhaltig erschüttert worden.

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