Ärzte Zeitung online, 10.12.2009

Kalinkas Vater wird nicht nach Deutschland ausgeliefert

PARIS (dpa). Der leibliche Vater des vor 27 Jahren getöteten Mädchens Kalinka wird nicht nach Deutschland ausgeliefert. Das Landgericht in Toulouse lehnte am Donnerstag den Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft Kempten wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Freiheitsberaubung ab.

Der 72 Jahre alte Franzose hatte zugegeben, im Oktober die Entführung des deutschen Arztes und Stiefvaters Kalinkas, Dieter K., nach Frankreich eingefädelt zu haben. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass in Frankreich ebenfalls in dem Entführungsfall ermittelt wird.

Den Arzt hält der Vater Kalinkas für den Mörder seiner Tochter. Der 72-Jährige wollte ihn der Justiz übergeben. Nach der Entführung leitete die französische Justiz ein Verfahren gegen den Vater Kalinkas ein. Deutschland hatte die Auslieferung des 72-Jährigen beantragt.

Polizeibeamte hatten Dieter K. gefesselt und mit Kopfverletzungen im elsässischen Mülhausen gefunden. Seitdem ist der 74 Jahre alte Mediziner in Paris inhaftiert. Dieter K. hatte der damals 15-jährigen Kalinka 1982 am Bodensee eine Spritze gegeben, an der das Mädchen starb. Er soll beabsichtigt haben, Kalinka zu vergewaltigen.

1995 war Dieter K. in Frankreich in Abwesenheit wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte die Strafe jedoch nie verbüßt, weil Deutschland ihn nicht nach Frankreich ausgeliefert hatte. Das Verfahren soll demnächst in Paris neu aufgerollt werden.

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