Ärzte Zeitung, 15.12.2009

Internisten wegen Kopftuchverbot angeklagt

Ärzte kündigten muslimische Arzthelferin nach Tragen des Kopftuchs in der Praxis

DORTMUND (ava). Eine muslimische Arzthelferin hat zwei Dortmunder Ärzte nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz auf 1200 Euro Schadenersatz verklagt. Jetzt befasste sich das Dortmunder Arbeitsgericht mit der Klage.

Internisten wegen Kopftuchverbot angeklagt

© Orlando Florin Rosu / fotolia.com

Zwei Dortmunder Internisten hatten Medienberichten zufolge einer 27-jährigen Arzthelferin gekündigt, weil sie während der Arbeit plötzlich ein Kopftuch tragen wollte. Die Frau, so ein Bericht der "Dattlener Morgenpost", war vor neun Jahren als Praktikantin zum Team der internistischen Gemeinschaftspraxis gestoßen, absolvierte dort eine Ausbildung und wurde übernommen.

In der ganzen Zeit hatte sie ihr Kopftuch immer nur in ihrer Freizeit getragen. Vor einigen Monaten beschloss sie, das Kopftuch auch während der Arbeit zu tragen. Ihre Arbeitgeber reagierten mit Kündigung und sofortiger Freistellung. Nach Zeitungsangaben sagte der Anwalt der Ärzte vor dem Dortmunder Arbeitsgericht, dass man mit einem Kopftuch kein ausreichendes Vertrauen zu Patienten aufbauen könne. Da keine gütliche Einigung zustande kam, wird es Mitte April zum Kammertermin kommen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zielt darauf, Benachteiligungen für Arbeitnehmer zu verhindern oder zu beseitigen, die aufgrund Rasse oder ethnischer Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Alter, sexueller Identität, Religion oder Weltanschauung auftreten könnten.

[16.12.2009, 00:02:07]
Ufuk Sivritas 
@ W. Heinemann
Was würde Sie daran stören.....
wenn Musliminnen "Ihr" Hallenbad benutzten, auch wenn sie weniger Haut zeigen würden?
Wäre das ein Grund für Sie dieses Hallenbad zu bojkottieren?
Stellt sich die Frage, ob es nicht viel mehr solche Leute wie Sie sind, die Frauen unterdrücken als ein Kopftuch.
Und zur "eleganten" Lösung in der Schule Ihres Sohnes: was hat ein Baseballcap mit einem Kopftuch zu tuen?
Im Gegensatz zu Ihnen weiss ich, dass viele Musliminnen sich ohne ein Kopftuch entwürdigt fühlen, anders herum, sich mit einem Koftuch freier fühlen. Diese Freiheit wird diesen Frauen hierbei genommen. Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit den gerne als Vorwand benutzten "Zwangskopftüchern". Sicherlich gibt es die auch, aber genauso häufig sicherlich das "Zwangskruzifix".
Und was bitteschön ist abstrus daran, wenn eine Frau für ihr Recht vor Gericht geht? Oder wollten sie grundsätzlich jede Klage von seiten einer Muslima/eines Moslems als abstrus bezeichnen?
Da gibt es viel bessere Beispiele für abstruse Klagen wie die des erzkonservativen und leicht rechts angehauchten Herren, der wegen der nicht-vorschriftsmäßigen Rasenlänge seines Nachbarn vor Gericht geht.
Zu den beiden Internisten aus Dortmund:
Es scheint wohl so, daß die Arzthelferin gute Arbeit leistete, sonst wäre sie wohl nicht übernommen worden. Die Arbeit scheint sich auch nicht verschlechtert zu haben, nachdem Sie das Kopftuch auch bei der Arbeit getragen hatte. Unwahrscheinlich ist auch, daß sie gekündigt worden wäre, wenn sie sich die Haare pink gefärbt hätte oder eine Irokesenfrisur zugelegt hätte, was bekanntlich bei einem Großteil der Bevölkerung ebenfalls keine vertrauensbildende Massnahme darstellt.
Somit wird ja allzu offensichtlich, was die wahren Gründe für die Kündigung waren. zum Beitrag »
[15.12.2009, 17:21:36]
Wolfgang Heinemann 
Jetzt ist langsam genug
Nicht nur, dass an keiner Stelle des Korans eine Kopftuchpflicht verfasst wäre und sich somit eine Klage erübrigt, die auf Benachteiligung aufgrund einer religiösen Zugehörigkeit gründet - nein, jetzt wird auch noch unser Rechtssystem finanziell mit solchen abstrusen Klagen gebeutelt. Wer in Deutschland lebt und arbeitet, soll sich bitteschön auch an unsere Kultur anpassen. Demnächst hüpfen vermummte Musliminnen vom Dreimeterbrett im Hallenbad, weil es das Gleichbehandlungsgesetz so will. Übrigens: in der Schule meines Sohnes haben die Verantwortlichen dieses Problem elegant aus der Welt geschafft: generelles Verbot von Kopfbedeckungen, sei es Basecap, Wollmütze, Fahrradhelm oder Kopftuch. Alles muss vor der Schultüre runter. zum Beitrag »

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