Ärzte Zeitung online, 06.05.2010

Vater des Amokläufers von Winnenden kommt vor Gericht

STUTTGART (dpa). Der Vater des Amokläufers von Winnenden kommt vor Gericht. Das Landgericht Stuttgart hat die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen. Der Angeklagte muss sich nach Angaben vom Donnerstag aber nicht wegen fahrlässiger Tötung verantworten, sondern nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Mit der Pistole des Vaters hatte der 17 Jahre alte Tim K. am 11. März 2009 an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und bei seiner Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen. Der Vater hatte die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt.

Ursprünglich wollte die Staatsanwaltschaft Stuttgart den Fall mit einem Strafbefehl gegen den Vater beenden. Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger ordnete im November 2009 aber an, eine Klage zu erheben. Der Prozess solle wachrütteln, betonte er. Nach der Anklageerhebung verzögerte sich das Verfahren, weil das Landgericht der Staatsanwaltschaft Nachermittlungen in Auftrag gab. Unter anderem mussten Zeugen erneut befragt werden.

Die Ermittler sollten zudem noch klären, ob der Amokläufer den achtstelligen Code für den Waffenschrank seines Vaters kannte. In diesem Fall hätte Tim K. den Amoklauf auch dann verüben können, wenn sein Vater die Waffe eingeschlossen hätte.

Die Hinterbliebenen der Opfer zeigten sich in einer ersten Reaktion auf die Anklagezulassung enttäuscht. Ihr Anwalt Jens Rabe sagte am Donnerstag in Stuttgart: "Die Angehörigen begrüßen, dass die Anklage zugelassen wurde, bedauern aber, dass das Hauptverfahren bezüglich der Vorwürfe fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung nicht zugelassen wurde."

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