Ärzte Zeitung online, 10.06.2010

"Es war nur wilder Sex" - Erneut Freispruch für Coburger Psychiater

COBURG (dda). Freigesprochen vom Vorwurf der besonders schweren Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung wurde jetzt vom Coburger Landgericht ein 48-jähriger Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie und ehemaliger Professor und Dozent der Fachhochschule Coburg.

Als Grund nannte das Landgericht Coburg am Dienstag freizügige Fotos des angeblichen Opfers in der Praxis des Facharztes für Psychiatrie, die die Glaubwürdigkeit der 57-jährigen ehemaligen Kollegin erheblich erschüttert hätten. Die Frau hatte behauptet, der 48-Jährige habe sie im Juni 2006 mit einer Spritze betäubt und im bewusstlosen Zustand vergewaltigt.

Der vom Dienst suspendierte Hochschullehrer war erst Ende 2009 vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer Studentin freigesprochen worden (wir berichteten). Das damalige Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da Staatsanwaltschaft und Nebenklage in Revision gegangen sind.

Erst während des Prozesses wegen des Verhältnisses zu der Studentin im vergangenen Jahr hatte das mutmaßliche Opfer Anzeige erstattet. Ein Handtuch mit Sperma-Spuren hatte diese bis zum Prozess aufbewahrt. Eine DNA-Untersuchung erbrachte, dass es sich wirklich um Genmaterial des Angeklagten handelte.

In der Verhandlung hatte der Mediziner vehement bestritten, dass er seine Kollegin vergewaltigt habe. Er gab zu, dass er zu der Frau eine etwa achtwöchige Sexbeziehung unterhalten habe. Damals sei er noch fast täglich mit der heute 27-jährigen Studentin intim gewesen. Der Angeklagte beschrieb das Verhältnis zu der älteren Frau: "Es war nur wilder Sex". Erst gegen Ende der Verhandlung hatte die Verteidigung erstmals Fotos der 57-Jährigen vorgelegt, die sie in den Praxisräumen mit entblößten Oberkörper zeigten. Auf Anfrage des Gerichts konnte die Frau nicht erklären, warum und wie diese entstanden sind.

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