Ärzte Zeitung online, 05.08.2010

Nieren für Israel: Organhändler-Ring in Ukraine aufgeflogen

KIEW/MOSKAU (dpa). Nieren gegen Bares: In der Ukraine ist ein internationaler Organhändler-Ring aufgeflogen. Vier Ärzte aus renommierten Kliniken in Kiew sollen über drei Jahre lang mit Organen gesunder Menschen gehandelt haben.

Sie entnahmen den Organspendern Nieren, um sie an Geschäftsmänner in Israel zu verkaufen, wie der Ermittler Juri Kutscher am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew berichtete. Kutscher leitet die Abteilung Menschenhandel des ukrainischen Innenministeriums.

Die Organverkäufer aus Russland, Moldau, Weißrussland, Usbekistan und der Ukraine kassierten im Schnitt 10 000 Dollar (8000 Euro) für ihre Nieren. Die Ärzte ließen sich das Doppelte bezahlen, wie Kutscher sagte. Die Summen entsprechen einem Vielfachen eines durchschnittlichen Jahreseinkommens in diesen Ländern. Die Anbieter seien mit der Organentnahme zu Invaliden geworden. Die Chirurgen wollten sich laut Kutscher persönlich bereichern. Bei einem der Verdächtigen sei eine halbe Million Dollar (380 000 Euro) sichergestellt worden.

Insgesamt geht die Polizei von 50 Betroffenen aus. Zwölf Verdächtige sollen in dem Organhändler-Ring unter Leitung eines israelischen Staatsbürgers gearbeitet haben. Bislang sind nur die vier Ärzte in Untersuchungshaft. Nach Darstellung des Ermittlers reisten die ukrainischen Chirurgen mit den Spendern auch nach Aserbaidschan oder sogar nach Ecuador, um die Organe schwarz zu verpflanzen.

Die Kunden seien über israelische Kontakte vermittelt worden. Demnach bezahlten die Patienten im Nahen Osten zwischen 100 000 und 200 000 Dollar für die illegalen Operationen. Auch im Kiewer Schalimow-Institut selbst seien die Organe verpflanzt worden. Die Organabgeber hätten mitunter selbst neue Menschen angeworben, die mit dem Verkauf einer Niere Geld verdienen wollten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Asthma – oder nur zu dick?

Wenn keuchende, schwer übergewichtige Patienten in der Praxis über "Asthma" klagen, ist Vorsicht geboten. Denn oft sind die Symptome kein pneumologisches Problem. mehr »

WHO veröffentlicht die ICD-11

Nach 26 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation die Klassifikation der Todesursachen und Krankheiten auf eine neue Grundlage gestellt. Die ICD-11 ist am Montag veröffentlicht worden. mehr »

Warum Patienten aggressiver werden

Dass Patienten Ärzte verbal angreifen und bedrohen, kommt in Deutschland immer häufiger vor. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vielerorts wappnen sich Mediziner in Praxen und Kliniken gegen die stärker aufkommende Gewalt. mehr »