Ärzte Zeitung online, 24.09.2010
 

Rx-Boni: Großapotheker Mönter lotet BGH-Urteil aus

BAD LAER (cw). Keine zwei Wochen nachdem der Bundesgerichtshof Rezept-Boni für preisrechtlich prinzipiell unzulässig, gleichzeitig aber wettbewerbsrechtlich in engen Grenzen für unerheblich erklärt hat, prescht der niedersächsische Großapotheker Johannes Mönter (Sanicare) vor - in seiner Versandapotheke Aliva lobt er drei Euro Bonus für jedes Rezept aus.

Rx-Boni: Großapotheker Mönter lotet BGH-Urteil aus

Die Grenzen des BGH-Urteils zu Rx-Boni austesten: Apotheker Johannes Mönter, Inhaber der Sanicare-Gruppe.

© Sanicare

"Das ist unser Versuch herauszufinden, was juristisch vertretbar ist", begründete eine Sprecherin der Apothekengruppe Sanicare die Höhe des Bonus, der mit dem OTC-Einkauf verrechnet werden soll. Der Bonus werde unabhängig vom Rezeptwert gewährt, es müsse nur mindestens ein rezeptpflichtiges Medikament vom Arzt verordnet worden sein.

In seinem Grundsatzurteil am 9. September hatte der Bundesgerichtshof (BGH) für Boni und Zugaben im Rezept-Geschäft eine Wertgrenze von einem Euro als wettbewerbsrechtlich unerheblich bezeichnet. Mit drei Euro liegt die Versandapotheke Aliva deutlich über dieser Schwelle.

Allerdings hatte der BGH auch erst ab einem Bonus-Betrag von fünf Euro ausdrücklich eine "spürbare Beeinträchtigung" der Interessen von Mitbewerbern konstatiert. Fachjuristen erhoffen sich von der schriftlichen Urteilsbegründung mehr Klarheit, wie Boni im Korridor zwischen einem und fünf Euro einzustufen sind.

Johannes Mönter hatte bereits in der Vergangenheit Bonus-Programme im Rezept-Geschäft ausprobiert, etwa mittels Zuzahlungsgutscheinen. Dabei hatte ihm jedoch die niedersächsische Apothekenaufsicht - dort in den Händen der Apothekerkammer - einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das dazu noch laufende Verfahren geht mittlerweile in die zweite Instanz.

Dass Mönter jetzt nicht ein weiteres Mal mit seinem niedersächsischen Versand-Stammhaus Sanicare neue Wege testet, sondern über die Versandmarke Aliva, ist ein geschickter Schachzug: Zwar ist Aliva mit 400 000 Kunden nicht annähernd so bekannt und so groß wie der Sanicare-Versand am Stammsitz in Bad Laer.

Doch Aliva hat als das Versandgeschäft der Versmolder Mönter-Filiale Sonnen-Apotheke einen entscheidenden Vorteil: Sie liegt in Nordrhein-Westfalen. Und dort interessieren sich die mit der Apothekenaufsicht betrauten Gesundheitsämter weit mehr für Sicherheits- und Qualitätsaspekte der Medikamentenabgabe als für das preisrechtskonforme Verhalten der Offizinbetreiber.

Dagegen hat die Apothekerkammer Niedersachsen bereits angekündigt, sich auch künftig für die Einhaltung von Arzneimittelpreisrecht stark machen und entsprechend dem BGH-Urteil Bonus-Systeme unterbinden zu wollen.

Topics
Schlagworte
Recht (12271)
Arzneimittelpolitik (7227)
Organisationen
BGH (954)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Digitalisierung – Ärzte zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Viele Ärzte im Krankenhaus verbinden mit der Digitalisierung die Hoffnung auf Arbeitserleichterungen. Zugleich beklagen sie mangelhafte Vorbereitung und Umsetzung, so eine Umfrage. mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »