Ärzte Zeitung online, 31.10.2010
 

Blasenspülung mit Isopropanol: Falsche Beschriftung sorgt für Behandlungsfehler

BAD HOMBURG (dpa/eb). Ein falsch beschrifteter Behälter hat vermutlich zu dem schweren Behandlungsfehler in der Bad Homburger Hochtaunus-Klinik geführt. Einem 85 Jahre alten Patienten war dort vor eineinhalb Wochen bei einer Blasenspülung ein Lösungsmittel verabreicht worden.

Blasenspülung mit Isopropanol: Falsche Beschriftung sorgt für Behandlungsfehler

Klinikum in Bad Homburg: Offenbar wurde das Lösungsmittel Isopropanol in den Behälter für die Spülungslösung gefüllt.

© Karsten11 / Wikimedia Commons

Die kaufmännische Leiterin, Dr. Julia Hefty, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, das Lösungsmittel Isopropanol sei in einen Behälter umgefüllt worden, in dem sonst eine Flüssigkeit zur Blasenspülung aufbewahrt werde. Am Freitag war in Medienberichten zunächst die Rede von dem Lösungsmittel Xylol.

Das Umfüllen sei im Lager einer pathologischen Praxis geschehen, die Räume im Klinikgebäude gemietet hat, so Hefty. Eine Schwesternschülerin habe die falsch etikettierte Flüssigkeit für die Blasenspülung zudem versehentlich aus dem Lager der Pathologie geholt. Das Pathologie- und das allgemeine Lager lägen dicht beieinander. Der Raum sei außerdem nicht abgeschlossen gewesen.

Dem Patienten geht es inzwischen offenbar wieder besser. Am Freitag schwebe er noch in Lebensgefahr, mittlerweile wurde er in die Universitätsklinik Gießen verlegt.

Medienberichten zufolge hatte er sich im Bad Homburger Klinikum einer Prostata-Operation unterzogen. Postoperativ wurde dann die Blase gespült. Beim Auswechseln der Lösung geschah dann das Unglück.

Hefty sagte, die Wirkung von Isopropanol auf den 85-Jährigen sei mit einer Alkoholvergiftung vergleichbar. Sie sagte außerdem, dass Isopropanol nach der Gefahrenstoff-Verordnung stets gekennzeichnet werden müsse. Maßnahmen gegen die Pathologie-Praxis würden noch juristisch geprüft. In jedem Fall sollten die beiden Lagerräume in Zukunft weiter auseinanderliegen und das Lager der Pathologie zwingend abgeschlossen sein.

Die Angehörigen des Patienten hatten unterdessen angekündigt, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Die Kriminalpolizei in Bad Homburg ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Lesen Sie dazu auch:
Patient erhielt Blasenspülung mit ätzender Lösung - Lebensgefahr

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