Ärzte Zeitung online, 19.11.2010

Methadon-Behandlung: Bonner Arzt geht gegen Approbations-Entzug vor

BONN (eb). Über 50 heroinabhängige Patienten soll ein Bonner Arzt mit einer Drogenersatztherapie behandelt haben - illegal, meint unter anderem die Staatsanwaltschaft. Nachdem er seine Praxis und die Approbation verloren hat, will er nun vor Gericht ziehen. Die Staatsanwälte ermitteln unterdessen weiter gegen ihn.

Methadon-Behandlung: Bonner Arzt geht gegen Approbations-Entzug vor

L-Polamidon zur Substitutionstherapie: In Bonn wehrt sich ein Arzt gegen die Vorwürfe, er habe diese Behandlungen illegal durchgeführt.

© dpa

Der Arzt kann den Verlust seiner ärztlichen Zulassung nicht verstehen: "Ich sehe keinen neuen Grund, warum man mir jetzt die Approbation entziehen will", sagte er dem in Bonn erscheinenden "General Anzeiger". Er will nun vor dem Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung der Ärztekammer klagen.

Der niedergelassene Arzt soll in seiner Praxis über 50 heroinabhängige Patienten im Rahmen einer Substitutionstherapie etwa mit Methadon behandelt haben. In 3755 Fällen soll er dem Bericht zufolge Heroinersatzstoffe verabreicht haben.

Für die Staatsanwaltschaft waren die Therapien illegal. Sie hat am 27. Oktober Klage gegen ihn eingereicht. Der Vorwurf: Er habe die Patienten, zeitweise bis zu 300, entgegen den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes und der Substitutionsrichtlinien der BÄK behandelt.

Der Arzt soll den Patienten die Präparate "ohne ausreichende Kontrolle" überlassen haben, heißt es in einer Mitteilung vom 17. November. Auch bei der vorgeschriebenen psychosozialen Betreuung der Patienten soll es gemangelt haben.

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Ermittlern die Take-Home-Verschreibung. Er soll den Patienten Methadon und L-Polamidon teilweise für mehrere Tage mit nach Hause gegeben haben.

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