Ärzte Zeitung online, 06.12.2010
 

HIV-Infizierter soll Kinder in Thailand missbraucht haben

LÜNEBURG (dpa). Weil er in Thailand Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll, muss sich ein 65-Jähriger seit Montag vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Dem früheren Mitglied der volkstümlichen Musikgruppe Godewind wird vorgeworfen, in 403 Fällen ungeschützten Sex mit Kinderprostituierten gehabt zu haben, obwohl er HIV-infiziert ist.

Der aus Celle stammende Mann soll die Mädchen nicht über seine Infektion aufgeklärt haben. Betroffen sind laut Anklage insgesamt sieben Kinder und 23 Jugendliche. Wegen seiner Erkrankung wird dem Mann außer schwerem Missbrauch auch versuchte Vergiftung zur Last gelegt. "Das Interesse der Öffentlichkeit wiegt schwerer" wies der Vorsitzende Richter Axel Knaack einen Antrag der Verteidigung auf Ausschluss der Öffentlichkeit während der Anklageverlesung zurück.

Die Taten sollen sich zwischen Mai 2005 und November 2009 in Pattaya ereignet haben, das seit vielen Jahren auch als Ziel von Sextouristen gilt. Der Mann wurde nach der Landung in Deutschland festgenommen und sitzt seit Dezember 2009 in Untersuchungshaft. Die thailändische Polizei hatte zuvor kinderpornografisches Material in der Unterkunft des Mannes in Pattaya gefunden.

Die Durchsuchung seiner Wohnung in Celle erbrachte nach Angaben des aussagenden Kriminalbeamten eine Fülle weiterer Beweise, darunter allein mehr als 140 Videokassetten. Bereits auf ersten Filmsequenzen aus Thailand sei ein Mädchen mit dem mutmaßlichen Täter zu erkennen gewesen, berichtete der leitende Ermittler in der Hauptverhandlung.

Aus dabei gefundenen Namenslisten der Opfer mit Alters- und Ortsangaben, Aussagen in Thailand sowie der Beschriftung von Kassetten und DVDs haben die Ermittler umfassendes Belastungsmaterial zusammengetragen. Wegen der aufwendigen Ladung der thailändischen Zeuginnen und des vielen Bildmaterials, das das Gericht bewerten muss, ist das Verfahren zunächst auf zwei Jahre angesetzt.

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