Ärzte Zeitung online, 06.01.2011
 

Gericht: Pädiater dürfen Medi-Vertrag nicht schlechtreden

ESSEN (mwo). In seinem öffentlichen Kampf um einen eigenen Versorgungsvertrag mit der AOK Baden-Württemberg hat der Pädiaterverband BVKJ einen Rückschlag erlitten. Nach einem inzwischen schriftlich veröffentlichten und rechtskräftigen Eilbeschluss des Landessozialgerichts Essen darf der Verband nicht mehr behaupten, der zwischen der AOK und dem Ärzteverbund Medi geschlossene Hausarztvertrag stelle eine angemessene Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht sicher.

Gericht: Pädiater dürfen Medi-Vertrag nicht schlechtreden

Justitias Urteil: Die Behauptung "keinerlei kindgerechte Leistungen" des BVKJ ist objektiv falsch.

© dpa

Seit langem versucht der BVKJ mit Sitz in Köln, wie in Bayern auch in Baden-Württemberg mit der AOK einen "Vertrag über die pädiatriezentrierte Versorgung" abzuschließen. Dem Verweigert sich die AOK Baden-Württemberg; stattdessen können sich dort auch Kinderärzte am Medi-Hausarztvertrag beteiligen.

Unter der Überschrift "Kleinkinder in Baden-Württemberg werden zu Patienten zweiter Klasse" behauptete der BVKJ im Juli 2009 im Internet, die Kinder- und Jugendärzte würden in einen Vertrag gedrängt, "der keinerlei kindgerechte Leistungen beinhaltet".

Ein Vergleich mit der pädiatriezentrierten Versorgung in Bayern zeige, dass die Belange von Kindern unzureichend berücksichtigt seien. Allgemeinärzte hielten nicht die für Kinder notwendigen Geräte und Einrichtungen vor.

Wie nun auf Antrag der AOK das LSG Essen feststellt, ist die Behauptung "keinerlei kindgerechte Leistungen" objektiv falsch: Der Vertrag enthalte zahlreiche entsprechende Leistungen und sei für Pädiater offen.

Auch Allgemeinärzte seien nach dem Medi-Vertrag verpflichtet, für die Behandlung von Kindern eine entsprechende Ausrüstung bereitzuhalten. Dass sie sich daran nicht hielten, sei offenbar eine "Behauptung ins Blaue hinein", die der BVKJ nach eigenem Eingeständnis nicht belegen könne.

Az.: L 11 KA 3/10 B ER

[09.01.2011, 13:43:43]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kooperation statt Konfrontation!
Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) schein wirklich von allen guten und kollegialen Geistern verlassen zu sein: Kleinkinder in Baden-Württemberg würden zu Patienten zweiter Klasse degradiert, nur weil der BVKJ im ländlichen Raum und in Sozialen Brennpunkten auch keine Patentlösung hat, die kinderfachärztliche Versorgung sicherzustellen.

Und behauptete dann im Juli 2009 wider besseres Wissen im Internet, die Hausarztverträge im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) nach §73 b SGB V würden "keinerlei kindgerechte Leistungen" bei den Haus- und Allgemeinärzten beinhalten, obwohl BVKJ-Mitglieder genau diese HzV-Verträge auch bedienen. Die flächendeckende Versorgung einer familienorientierten Pädiatrie und hausärztlichen Allgemeinmedizin ist doch nur mit Qualifikation und Kooperation und n i c h t mit Konfrontation und Unterstellungen zu stemmen.
Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund zum Beitrag »

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