Ärzte Zeitung online, 01.02.2011

Bundesgerichtshof hebt Urteil gegen Drogenarzt auf

BERLIN (eb). Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen den Berliner Arzt und Psychotherapeuten Garri R. aufgehoben. Der Facharzt für Psychotherapie wurde im Mai 2010 zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, nachdem zwei Patienten während einer Therapiesitzung Drogen genommen hatten und daraufhin starben. Nun muss der Fall erneut verhandelt werden.

Bundesgerichtshof hebt Urteil gegen Drogenarzt auf

Garri R. im Mai 2010 im Gerichtssaal des Kriminalgerichts Berlin-Moabit: der BGH hat das Urteil gegen ihn aufgehoben.

© dpa

Die Richter am Bundesgerichtshof hoben das Urteil mit der Begründung auf, die Feststellungen des Landgerichts trügen die Annahme eines vorsätzlichen Körperverletzungdelikts nicht.

Die Schwurgerichtskammer des Landesgerichts habe zu beurteilen, ob eine Vorsatztat oder lediglich ein fahrlässiges Tötungsdelikt anzunehmen sei.

Das Berliner Landgericht hatte den Psychotherapeuten im Mai des Vorjahres zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt und ein lebenslanges Berufsverbot verhängt.

Der Fall hatte bundesweit Reaktionen ausgelöst. Eigentlich sollten die Drogen die Patienten nur für ihre psychotherapeutische Gruppenbehandlung öffnen. Garri R., Allgemeinmediziner und Facharzt für Psychotherapie, hatte dafür schon mehrfach Drogen eingesetzt.

Für den 19. September 2009 hatte er zwölf Patienten in seine Praxis im Berliner Stadtteil Hermsdorf geladen. Um sich selbst in Stimmung zu bringen, nahm er vorab von der Partydroge LSD; seinen Patienten bot er Ecstasy (MDMA) sowie Neocor (Methylon) an, um die "gemeinsame Reise" zu unterstützen.

In welchem Umfang der Arzt über mögliche Folgen aufklärte, blieb umstritten. Nur drei Patienten lehnten ab, die anderen schluckten den Cocktail.

Das Berliner Gericht verurteilte den Mediziner wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen. Der ursprüngliche Vorwurf des versuchten Mordes war fallen gelassen worden. Der Therapeut habe die Risiken gekannt, seine Patienten aber nicht darüber aufgeklärt, hieß es damals im Urteil.

Der Arzt hatte das "tragische Unglück" bedauert. Er habe sich beim Abwiegen der Drogen wohl vertan, erklärte er im Prozess.

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