Ärzte Zeitung online, 24.02.2011

Behandlung mit Zitronensaft: Chefarzt will gestehen

MÖNCHENGLADBACH (dpa). Im Prozess um den Tod von sieben Patienten an der Klinik von Wegberg hat der angeklagte Chefarzt ein Geständnis angekündigt.

Behandlung mit Zitronensaft: Chefarzt will gestehen

Arnold P. zu Prozessbeginn mit seinen Anwälten: Nun will er ein Geständnis ablegen.

© dpa

Damit könnte nach anderthalb Jahren Prozessdauer im März das Urteil verkündet werden, sagte ein Sprecher des Landgerichts Mönchengladbach am Donnerstag.

Das Gericht hatte dem Chefarzt Arnold P. im Gegenzug eine Freiheitsstrafe zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren in Aussicht gestellt.

Aufgrund der "überlangen Verfahrensdauer" sollen 9 bis 13 Monate als bereits vollstreckt angerechnet werden. Außerdem muss der Angeklagte mit einem Berufsverbot rechnen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm in der Anklageschrift vorgeworfen, für den Tod von sieben Patienten und für etliche Fälle von Körperverletzung verantwortlich zu sein.

In einem abgetrennten Verfahren war der Chefarzt bereits wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden.

Das Landgericht Mönchengladbach sah es als erwiesen an, dass er den Tod einer 80-Jährigen zu verantworten hatte. Die Wunde der frisch operierten Patientin hatte er mit ausgepresstem Zitronensaft behandelt. Die Frau starb an einer Wundinfektion.

Der Bundesgerichtshof hatte aber Zweifel, ob der Zitronensaft tatsächlich Ursache für den Tod der Frau war. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach geht davon aus, dass P. den Zitronensaft verwendet hatte, um teure Desinfektionsmittel zu sparen.

Der Mediziner war Klinik-Besitzer, Chefarzt und ärztlicher Direktor in einer Person. Am 1. Januar 2006 hatte er das kleine Sankt Antonius Klinik von der Kommune Wegberg gekauft, als es vor der Insolvenz stand.

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