Ärzte Zeitung online, 23.03.2011

Affäre Boldt: Ermittlungen wohl langwierig

LUDWIGSHAFEN (dpa). Bei den Ermittlungen gegen den früheren Chefanästhesisten des Klinikums Ludwigshafen, Dr. Joachim Boldt, ist kein Ende in Sicht. Er soll massenweise Studien gefälscht haben.

Affäre Boldt: Ermittlungen wohl langwierig

Städtisches Klinikum Ludwigshafen: Die Ermittlungen gegen den Ex-Chefanästhesiologen Dr. Boldt dauern an.

© dpa

Die Tageszeitung "Rheinpfalz" berichtete am Mittwoch, dass im Zuge der Affäre nun auch zwei Oberärzte das Klinikum verlassen hätten, die im Verdacht stünden, in den Fall verwickelt zu sein.

Ein Oberarzt sei entlassen worden, eine weitere Ärztin sei auf eigenen Wunsch gegangen. Sie sollen an zahlreichen Studien des 56-jährigen Ex-Chefanästhesisten Boldt beteiligt gewesen sein. Die Geschäftsführung des städtischen Klinikums war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die unter anderem auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und Urkundenfälschung lauten, sei der Ex-Chefanästhesist bislang einziger Beschuldigter, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Die Co-Autoren von Boldts wissenschaftlichen Arbeiten würden zunächst als Zeugen vernommen.

Der Beschuldigte schweige bislang zu den Vorwürfen. "Es ist noch viel Arbeit zu verrichten", betonte Liebig. Es müssten unter anderem noch Zeugen vernommen und Unterlagen ausgewertet werden.

Der 56-Jährige soll bei fast 90 wissenschaftlichen Arbeiten gegen die berufsrechtlichen und arzneimittelrechtlichen Vorschriften verstoßen haben. Außerdem steht er im Verdacht, Arzneistudien komplett gefälscht zu haben.

Bei einer Studie sieht eine Untersuchungskommission des Klinikums diesen Verdacht bereits als bestätigt an. Die Uni Gießen, an der Boldt eine außerplanmäßige Professur hatte, hat ihm jüngst verboten, den Professortitel weiter zu benutzen.

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