Ärzte Zeitung online, 08.04.2011

Mutmaßlicher Arzneischmuggel-Ring aufgeflogen

Das Geschäft boomt: Immer wieder stellen Ermittler illegale Medikamente sicher. Fünf Millionen waren es bundesweit im vergangenen Jahr - ein Rekord. Jetzt ließen die Ermittler ein internationales Netzwerk auffliegen.

Von Marion van der Kraats

Mutmaßlicher Arzneischmuggel-Ring aufgeflogen

Original oder Fälschung? Letztere werden immer häufiger entdeckt, nun haben die Behörden erneut zugeschlagen.

© dpa

POTSDAM. Es war ein Geschäft im ganz großen Stil: Per Internet wickelte ein internationales Netzwerk seine Geschäfte mit gefälschten und illegalen Medikamenten ab - mehr als 200.000 Bestellungen.

Nun sitzen die sieben mutmaßlichen Haupttäter im Alter von 33 bis 61 Jahren in Untersuchungshaft, und eines der größten internationalen Netzwerke ist zerschlagen. Vorangegangen waren Razzien in Deutschland und der Tschechischen Republik, wie die Potsdamer Staatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt Berlin am Freitag mitteilten.

Etwa 300 Zollbeamte durchsuchten mehr als 60 Objekte, 40 davon auf deutschem Boden. "Es waren nahezu alle Bundesländer und deren Zollämter involviert", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Gegen die mutmaßlichen Haupttäter wurden Haftbefehle erlassen, gegen weitere Verdächtige wird ermittelt. Bei den Razzien wurden Pillen und Daten sichergestellt - aber auch Geld, luxuriöse Autos und Unterhaltungselektronik.

Die Arzneischmuggler sollen vor allem den illegalen Handel mit gefälschten Potenzmitteln der Marken Viagra, Cialis und Levitra organisiert haben. Beliefert wurden hauptsächlich Kunden im deutschsprachigen Raum.

Der Vertrieb erfolgte offenbar vor allem von der Tschechischen Republik und von Deutschland aus. Dabei wurde laut Behörden ein weltweit verzweigtes Netzwerk von Briefkastenfirmen organisiert.

Die gesamte Abwicklung von Kundenwerbung über Bestellung bis zur Bezahlung lief den Behörden zufolge über das Internet.

Dabei gingen die Täter hochprofessionell vor: Neue Kunden wurden nur über Webmaster der Bande angeworben. Diesen wurde dann eine "diskrete Abwicklung durch Versand aus dem Inland - ohne Zollprobleme" versprochen. Die Bezahlung erfolgte über ein eigenes Online-System.

Die Gelder landeten auf Konten in Prag und auf Zypern. "Wir gehen davon aus, dass diese der Verschleierung dienten", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nach einem Bericht der "Welt" nahmen die Betrüger in den vergangenen zwei Jahren mehr als 18 Millionen Euro ein. Die konkrete Summe wollte der Sprecher nicht bestätigen. Er sprach jedoch von einem Umsatz "im zweistelligen Millionenbereich". (dpa)

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