Ärzte Zeitung online, 07.05.2011

Psychiater: Urteil zur Sicherungsverwahrung kaum umsetzbar

MÜNCHEN (dpa). Die von Karlsruhe verlangte Neuregelung der Sicherungsverwahrung gefährlicher Straftäter ist nach Ansicht von Psychiatern kaum umzusetzen.

Vor allem die Menge der vom Bundesverfassungsgericht angeordneten psychiatrischen Gutachten sei in der gesetzten Frist kaum zu schaffen, sagte der Göttinger Psychiater Professor Jürgen Müller dem Magazin "Focus".

"Auf sehr wenige ausgewiesene Experten kommt sehr viel Arbeit zu", sagte Müller, der das Referat Forensische Psychiatrie in der Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) leitet.

Allein für ein Gutachten müsse ein Psychiater mit 50 bis 100 Arbeitsstunden rechnen. Noch dramatischer seien die künftigen hohen Anforderungen an eine intensive Therapie. Schon jetzt fehlten viele qualifizierte Kräfte. Diese Situation werde sich nun noch einmal "massiv verschärfen".

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch entschieden, dass die Sicherungsverwahrung für besonders gefährliche Gewalt- und Sexualtäter innerhalb von zwei Jahren komplett neu zu regeln ist.

Bis zum Ende dieses Jahres müssen etwa 100 Sicherungsverwahrte begutachtet werden, ob sie hochgradig gefährlich und psychisch gestört sind. Anderenfalls wären sie freizulassen.

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