Ärzte Zeitung, 23.05.2011

Kommentar

Vorschriftenwust nutzt Betrügern

Von Michael Kuderna

Die Dimension der Abrechnungs- und Rezeptbetrügereien im Saarland hat auch die Ärzteschaft selbst überrascht. Es kommt zu immer mehr Verurteilungen, und selbst eine Einstellung gegen eine Geldbuße ist kein moralischer Freispruch.

Zum Glück hat die KV die Aufklärung von Anfang an unterstützt. Schließlich geht es oft um Beträge im fünf- bis sechsstelligen Bereich, die ehrlichen Kollegen entzogen werden. Und wer mit Privatpatienten bei Scheinrechnungen Halbe-Halbe macht, schädigt Versicherte und über die Beihilfe auch alle Steuerzahler.

Allerdings spricht das Ausmaß des Skandals neben individuellem Fehlverhalten auch für Fehler im System. Tausende Detailregelungen bei der GKV drangsalieren den "einfachen" Arzt, der sich Tag für Tag für seine Patienten abstrampelt und gleichzeitig mit einem Wust an Vorschriften befassen muss. So wirken sie für allzu Pfiffige fast schon als Einladung für "fantasievolles Abrechnen".

Bei der PKV wiederum gibt es zwar weniger Vorgaben, aber auch zu wenig systematische Kontrollen. Es ist eben wie überall im Leben: Schwarze Schafe wird es immer geben, aber man sollte es ihnen nicht zu leicht machen. Vertrauen und Kontrolle - beides gehört zusammen.

Lesen Sie dazu auch:
Rezeptbetrüger sind nur schwer zu fassen

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